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Kontrast

Bianca Teufel in Leuven

Erasmus ist was man daraus macht!

Zeitgleich mit meinem Wunsch generell zu studieren, war auch der geboren, das irgendwann einmal im Ausland zu tun. Wie so ziemlich alles in meinem Leben, ist aber auch das nicht gleich nach Plan verlaufen, was in diesem Fall aber vor allem daran gelegen hat, dass ich auf Grund meiner Studienrichtung Kombiniertes Lehramt an zwei unterschiedlichen Universitäten studiere. Übermotiviert wie ich manchmal, gerade wenn es ums Ausland geht, nun einmal bin, wollte ich auch in beiden meiner Fächer ein Auslandssemester absolvieren. Vor allem wegen der unterschiedlichen Semesterstart und –end –Termine war das aber leichter gedacht als getan. Professor Rosenberger, der damals noch Erasmuskoordinator war, unterstütze mich aber mit unglaublichem Engagement und versuchte alles Mögliche, selbst neues Partneruniversitäten an Land zu ziehen – also falls eure Wunschuniversität noch keine Partnerschaft mit unserer hat, nicht verzagen, wer weiß, wer weiß..

Leuven, ganz familiär

Schlussendlich habe ich dann ein Semester, um genauer zu sein, das Wintersemester, im wunderschönen Leuven verbracht. Gleich am ersten Tag, und das nach einer mehr als zwölfstündigen Zugreise, also dementsprechend erschöpft, habe ich mich in diese unglaublich bezaubernde belgische Stadt verliebt. Leuven ist ungefähr so groß wie Linz und hat für mich auch irgendwie so einen familiären Flair, wenn man nur kurz rausgeht um Brot zu kaufen (kleiner Minuspunkt: so gutes Brot wie bei uns ist schwer zu finden), läuft man dabei höchstwahrscheinlich Freunden über den Weg und stellt dann möglicherweise auch noch fest, dass gerade ein kleines Festival stattfindet, mit Lernen war’s das dann mal für diesen Tag.

Lernen oder Feiern?

Ganz so wie man sich Erasmus vorstellt, ist es dann aber doch nicht. Die KU Leuven ist eine ausgezeichnete Universität und hat demzufolge auch hohe Ansprüche an ihre Studierenden. Dass jeden Tag Party machen nicht gerade meins ist, habe ich schon bald gemerkt und nebenbei gesagt, bewundere ich alle die so viel Energie dafür hatten, exzessives Feiern und Studieren unter einen Hut zu bekommen. Langweilig wurde es aber trotzdem nie, Leuven hat neben köstlichen belgischen Bier noch immer genügend zu bieten. Und falls man trotzdem einmal etwas Abwechslung braucht, ist man in einer halben Stunde mit dem Zug in der Hauptstadt, in zwei Stunden am Meer und auch in den angrenzenden Ländern Niederlande, Deutschland und Frankreich ist man in Nullkommanichts. Übertrieben viel bin ich während des Semesters aber gar nicht gereist, weil ich mich in meinem Leuven und insbesondere in meiner WG unglaublich wohl gefühlt habe und reise kann ich ja immer.

International

Während meines Auslandssemester habe ich mit einer Slowakin, einer Deutschen und fünf belgischen Studierenden, um genauer zu sein Flamen zusammen gewohnt, was eine tolle Möglichkeit war auch die (auf liebenswerte Art!) etwas speziellen einheimischen Studierenden kennen zu lernen, was sonst eher schwieriger ist. Auch nach eigenen Angaben sind sie nämlich etwas introvertiert, vor allem fahren die meisten aber jedes Wochenende nach Hause (und lassen die Wäsche von Mama waschen – weshalb es auch keine Waschmaschinen in den Wohnungen gibt), all-freitäglich gibt es dadurch auch ein tolles Spektakel zu sehen: Trolleys überall! Und Leuven am Wochenende hat dadurch ein ganz anderes Flair als während der Woche, weil es fast nur noch aus Internationalen Studierenden besteht.

Die liebe Sprache...

Bezüglich der Sprache vielleicht noch eins ganz kurz: Es gibt viele englische Lehrveranstaltungen, gerade in der Theologie-Fakultät gibt es mehr internationale Studierende als nationale und auch manche belgischen Studierenden besuchen englische Lehrveranstaltungen. Leuven liegt im flämischen Teil von Belgien und es wird deshalb ein Dialekt des Niederländischen gesprochen und es gibt grundsätzlich auch die Möglichkeit niederländische Lehrveranstaltungen zu besuchen, gleich zu Beginn habe ich einen deutschen Medizin-Student kennengelernt, der das so praktizierte. Er hat bereits vor dem Auslandssemester ein wenig Niederländisch gelernt und gemeint, dass es durchaus machbar ist. Gerade für deutschsprachige ist die Sprache leicht zu lernen und selbst wenn man die Lehrveranstaltungen auf Englisch besucht, würde ich jedem und jeder empfehlen während des Semesters einen Niederländisch-Kurs zu besuchen, dieser ist für Erasmusstudierende kostenlos und was soll ich sagen, wirklich lustig!

Die Prüfungen, und was man sonst so mitheimnimmt...

Trotz dessen, dass am Anfang alle gesagt haben, dass bei den Prüfungen wirklich viel verlangt wird, hab ich wie durch ein Wunder alle meine Prüfungen gut bestanden. Ganz so schlimm war es dann also auch nicht. Wie gesagt, bin ich während des Semesters gar nicht so viel herum gereist, das hab ich aber im Zuge eines Besuches meiner alten WG bereits nachgeholt und dabei auch schon einige Erasmusfreunde besucht. Genauso wie in Belgien habe ich auch jetzt in Linz ein Niederländisch-Tandem. Jeder und jede macht auf Erasmus unterschiedliche Erfahrungen. Jeder und jede nimmt unterschiedliche Erinnerungen mit nach Hause und für jeden und jede hat dieser Auslandsaufenthalt unterschiedlich viel Auswirkung auf eigenes Wachstum und Weiterentwicklung. Aber Erasmus ist auf jeden Fall nicht nur das Semester oder Jahr im Ausland, sondern genauso das Wieder-nachhause-kommen. Erasmus ist was man daraus macht- währenddessen und danach.