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Kontrast

Angelika Pieber, Accademia di Belle Arti di Brera, Italien

Der Umgang mit Zeit ist hier in Italien etwas lockerer...

Um mein nach drei Jahren etwas eingerostetes Italienisch wieder etwas aufzufrischen und noch zu verbessern, entschied ich mich im Rahmen meines Bachelor-Studiums für ein Auslandsjahr in Mailand. Diese Entscheidung gestaltete sich nicht immer einfach, die Vorbereitungen konnten aber durch Unterstützung von allen Seiten dennoch gut bewältigt werden, auch wenn die Antworten aus Mailand manchmal auf sich warten ließen. Auch eine Wohnung zu finden, ist in Mailand für Studenten nicht unbedingt einfach. Nach einigem hin und her gelang es mir jedoch ein schönes, wenn auch etwas teures, Zimmer in einer gut ausgestatteten WG zu finden.

Die Ankunft an der Accademia di belle arti di Brera gestaltete sich ebenfalls etwas chaotisch, zeigte mir aber auch, dass ich mich weit weniger hätte stressen müssen. Die Leute im Erasmus-Office waren sehr freundlich und entgegenkommend, wenn mir auch alles erst einmal ein wenig unstrukturiert vorkam. Ein Treffen mit den anderen Erasmus-Studenten (der Großteil davon aus Spanien) und die Orientierungswoche zu Beginn des Semesters machten den Einstieg auf der Uni ein klein wenig einfacher.

Meine Erfahrungen mit der Uni selbst waren zwar chaotisch, aber zu einem großen Teil positiv. Die Brera hat drei Standorte, von denen zwei in der Innenstadt und einer ein Stück außerhalb aber dafür direkt an der Metro und nur zehn Gehminuten von meiner Wohnung entfernt lag. Um einen Kurs besuchen zu dürfen, brauchte ich die Unterschrift des jeweiligen Dozenten, was sich aber in meinem Fall als recht einfach herausstellte. Nach einem kurzen Gespräch, gaben sie mir die Unterschrift gerne. Schwieriger war die Tatsache, dass die meisten Dozenten der theoretischen Vorlesungen nur sehr wenige bis gar keine Erasmus-Studenten haben und daher nicht alle über die Abläufe und Formulare für Erasmus Studierende informiert waren. Beim Versuch diese Dinge zu erklären, wurden meine Sprachkenntnisse zwar immer wieder auf die Probe gestellt, die meisten Dozenten waren aber hier und auch während Vorlesungen und Prüfungen sehr bemüht und entgegenkommend.
In den Vorlesungen mitzuschreiben war für mich anfangs nicht einfach, besserte sich aber bereits nach zwei Wochen zunehmend. Auch der Sprachkurs für Erasmus-Studenten war mir eine große Hilfe. Wieder etwas chaotischer war der Umgang mit der Zeit. Der ist in Italien etwas lockerer und so kann es auch vorkommen, dass eine Vorlesung erst eine halbe Stunde nach Plan beginnt, oder eine Vorlesung besonders am Anfang des Wintersemesters einfach noch (nicht) stattfindet. Ich lernte jedoch schnell die Wartezeiten gut zu nutzen und auch meine italienischen Mitstudenten stellten sich als sehr freundlich und hilfsbereit heraus, wenn ich mir wieder einmal nicht sicher war, ob der Dozent nun gerade einfach (noch) nicht da war und die anderen genauso viel wussten wie ich, oder ich irgendetwas einfach nicht verstanden hatte.

Mailand selbst ist eine sehr facettenreiche Stadt. Ein Angebot aus einer Vielzahl von Museen, Kirchen, Ausstellungen und anderen kulturell interessanten Plätzen, mischt sich mit zahlreichen Parks, Märkten und Grünflächen, auf die man sich auch einmal zum Lernen setzen kann, wenn es im eigenen Zimmer zu stickig und heiß wird. Auch Nachtclubs gibt es genügend und untertags findet sich immer ein Café, um einfach einmal eine Pause zu machen. Auch das Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln ist gut ausgebaut und verfügt auch über ein günstigeres Abonnement für Jugendliche und Studierende das mit dem Preis von 200,- im Jahr durchaus leistbar ist. Wer wie ich zumindest bei Schönwetter die meisten Strecken zu Fuß geht, oder nur ein Semester bleibt, kann auch ein vergünstigtes monatliches Abonnement wählen, was meinem Wunsch nach Flexibilität sehr entgegenkam. Trotz des Anfangs manchmal etwas schwierigen Einstieg und Unterschieden zu meinem Alltag hier, wollte ich mich am Ende nur ungern wieder von der Stadt trennen und ich kann diese Erfahrung allen Studentinnen und Studenten weiterempfehlen, die schon Italienisch können, oder auch bereit wären sich lang genug auf den Auslandsaufenthalt vorzubereiten, um sprachlich auf ein entsprechendes Niveau zu kommen.