Schrift:
A
A+
A++
Kontrast

Forschungsblog

Mit dem Forschungsblog des Franz und Franziska Jägerstätter Instituts (FFJI) geben wir einen Überblick über die laufende Forschungsarbeit des Instituts und bieten Interessierten Einblicke in unseren Forschungsalltag. Dabei werden einzelne Arbeitsbereiche sowie konkrete Arbeitsschritte näher beschrieben. Damit wollen wir nicht nur unsere Forschung am Institut transparent machen, sondern auch unsere Erfahrungen – in praktischer, technischer und historisch-inhaltlicher Weise – mit ForscherInnen teilen, um einen Wissenstransfer zu ermöglichen. 

Innensicht – der Jägerstätter Bestand im Detail

Avatar of Andreas Schmoller & Verena LorberAndreas Schmoller & Verena Lorber - 01. März 2019 - Archivierung

Bestandsgenese…

Bestandsgenese…

Am 4. März 1999 unterzeichneten Franziska Jägerstätter und ihre drei Töchter – Rosalia, Maria und Aloisia – einen Schenkungsvertrag, durch den der Briefbestand sowie diverse Lebensdokumente und Objekte in den Besitz der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Radegund übergingen. Die Familie entschied sich für diesen Schritt, um das Andenken Franz Jägerstätters hochzuhalten und zu pflegen. Bereits 1983 erwarb die Pfarrgemeinde das ehemalige Wohnhaus von Franz Jägerstätter und errichtete dort ein Museum. Mit der Gründung des Franz und Franziska Jägerstätter Institutes an der Katholischen Privatuniversität Linz im Jahr 2017 wurden die Weichen für die Übertragung des Quellenbestandes gelegt und ein Schenkungsvertrag, unter der Federführung von Univ.-Prof. Dr. Ewald Voggler im Einvernehmen mit der Familie Jägerstätter, erarbeitet. Mit Unterzeichnung des Vertrags zwischen der Pfarrgemeinde St. Radegund und der Diözese Linz gelangte der Quellenkorpus am 7. Juni 2018 in den Besitz der Diözese und ist seitdem im Archiv der Diözese Linz für die Bearbeitung durch das FFJI archiviert.

Bestand...

Bestand...

Die Briefe waren in einer Holzkiste aufbewahrt und wurde so dem FFJI übergeben. Der gesamte Briefbestand war auf 25 Briefkuverts verteilt, die von Dr.in Erna Putz – Historikerin und Jägerstätter Biografin, beschriftet und mit Vermerken versehen wurden. Wie zum Beispiel, wenn ein Brief als Leihgabe an eine andere Institution oder ForscherInnen übergeben wurde. Zusätzlich zu den nummerierten Briefkonvoluten enthielt die Kiste: vier Hefte von Franz Jägerstätter, Aufzeichnungen auf losen Blättern, die Texte „Zehn Fragen“ und „Traum“ und einen Archivkarton mit weiteren ungeordneten Originalbriefen. Ein weiterer Teil der Schenkung umfasste einen Aktenordner mit Schriftverkehr über und gesammelte Materialien zu Franz Jägerstätter, wie auch diverse Lebensdokumente. Somit befinden sich nun fast alle Originalschriften (376 Briefe) und Lebensdokumente (vier Hefte, Dokumente und lose Blätter) im Besitz der Diözese Linz.

Reorganisation des Bestandes…

Reorganisation des Bestandes…

Das FFJI nahm eine Reorganisation des Bestandes vor. Bislang standen zwei Inventarlisten zur Verfügung: Zum einen eine handschriftliche von Dr.in Erna Putz und zum anderen eine vom Archiv der Diözese Linz, die unter der Leitung von Dr.in Monika Würthinger im Zuge des Informativprozesses für die Seligsprechung erstellt wurde. Man entschied sich, die Briefnummerierung von Dr.in Erna Putz nicht als zentrales Ordnungs- und Identifikationsprinzip beizubehalten – der Briefbestand war nach KorrespondenzpartnerInnen und innerhalb dieser Korrespondenzen chronologisch geordnet. Da die Historikerin aber nicht alle Briefe zur gleichen Zeit von Franziska Jägerstätter erhielt, war die Nummerierung nicht immer chronologisch und durchgängig. Bei der Reorganisation des Bestandes orientierte sich das FFJI nach den Standards der RNA (Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen) und inkludierte auch bislang nicht verzeichnete Briefe. Demnach wurde die Schenkung in drei Ordnungsbereiche – Korrespondenzen, Lebensdokumente und Sammlungen – untergliedert. Bei den Korrespondenzen wurde weiters zwischen Briefe von Franz Jägerstätter (B 1), Briefe an Franz Jägerstätter (B 2) und Briefe Dritten an Dritte (B 3) unterschieden. Innerhalb dieser Kategorien wurde eine chronologische Ordnung beibehalten. Pro Brief (bzw. Kuvert) wurde eine eindeutige Signatur vergeben. Postkarten und Feldpostbriefe/-karten integrierte man gemäß einer chronologischen Ordnung und wies diese nicht gesondert aus. Die restlichen Schriften Jägerstätters wurden unter Lebensdokumente (L) zusammengefasst und sind auf Einzelstückebene erschlossen. Die gesammelten Materialien zu Franz Jägerstätter wurden als Sammlung (S) erfasst und sind bislang nur auf Bestandsebene erschlossen. Ziel war es, eine Signaturenkonkordanz zu schaffen, um eine Suche sowohl nach der bisherigen Briefnummerierung als auch nach der neuen zu ermöglichen. Somit ist stets eine Transparenz zwischen neuem und altem Ordnungsprinzip gegeben, was für die Zitierbarkeit und weitere Jägerstätter-Forschungen von zentraler Relevanz ist. 

Bei der Reorganisation des Bestandes achtete man auch auf eine sachgerechte Lagerung, wie es in Archiven Standard ist. Die Korrespondenzen und Lebensdokumente sind nun in säurefreie Papierbögen verpackt, auf denen beide Inventarnummer vermerkt sind. Damit ist eine langfristige Sicherung des Quellenbestandes gewährleistet. Zudem wurde der gesamte Bestand digitalisiert und wird im Rahmen des digitalen Editionsprojektes nach dem International Standard Archival Description General (ISADG) bzw. den RNA tiefenerschlossen. 

 

Comments are disabled for this post.

0 Kommentar(e)