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Kontrast

Nachruf auf Professor emeritus Gottfried Bachl.

Konsistorialrat Lic. phil. Dr. theol. Gottfried Bachl, emer. Hochschulprofessor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz, ist am 23. Mai 2020 im 89. Lebensjahr im Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck verstorben.

Bischof Dr. Manfred Scheuer und KU-Rektor Dr. Franz Gruber würdigen den früheren Universitäts-Professor Dr. Gottfried Bachl

Bischof Dr. Manfred Scheuer, der zuletzt an Bachls Geburtstag im April mit ihm Kontakt hatte, dankt ihm für sein theologisches Lebenswerk, für seine Arbeit an der Sprache, für sein Wirken in der Diözese Linz als theologischer Lehrer, in der Fort- und Weiterbildung, als Prediger und Priester. „Seine Vorlesungen, Vorträge und Publikationen sind international anerkannt und geschätzt. Ich verbinde mit Gottfried Bachl auch den Austausch mit seinem Cousin Herbert Friedl zum Thema ‚Mauthausen‘. ‚Auch Dinge haben ihre Tränen‘ ist aus dieser Zusammenarbeit hervorgegangen. Gottesrede hat sich diesen Erfahrungen der Konzentrationslager zu stellen. Für einen Sammelband hat er mir eine ‚Andacht auf dem Appellplatz‘ geschrieben. Darin Gottfried Bachl: ‚Der Vorschlag, im Rahmen der groß organisierten Diözesansynode einen Bußgang nach Mauthausen zu tun, ging in den Papierkorb, weil die Freude am demokratischen Spiel größer war, und leicht formulierbare Probleme – die Sitzordnung in den Kirchen Frauen links, Männer rechts muss modernisiert werden – die Tagesordnung füllten.‘ Sein scharfes, aber nicht verletzendes Urteil galt der geschwätzigen Betriebsamkeit und der Bürokratie, aber auch der Dummheit und der Verweigerung des theologischen Denkens im Namen der Frömmigkeit.‘ Ich bin zuversichtlich, dass die Bruchlinien, die es zwischen Gottfried Bachl und der konkreten Kirche auch gab, jetzt in den österlichen Frieden einmünden.“

Rektor Dr. Franz Gruber, Katholische Privat-Universität Linz: "Prof. Gottfried Bachl lehrte an der Katholisch-Theologischen Hochschule Linz über zehn Jahre Dogmatik und Ökumenische Theologie. Bachls Theologie und Denken prägte Generationen von Theologiestudierenden in einer Art und Weise, die im deutschsprachigen Raum seinesgleichen sucht. Seine geniale Fähigkeit, theologische Inhalte auf ihren springenden Punkt zu bringen, seine einzigartige virtuose Sprachbeherrschung, sein unerschöpflicher Kenntnisreichtum der Weltliteratur, aber auch seine bisweilen schonungslos präzise Kritik gegenüber einer Gesellschaft und einer Kirche, die die Würde des Individuums verletzen, machten jede seiner Vorlesungen zu einem Ereignis. Bachl war kein Theologe, der sich in Metatheorien verlor, sondern der mit narrativer Wucht den Blick auf den Kern des Glaubens und der menschlichen Existenz öffnete. Er bürstete viele verkrustete Positionen der Dogmatik und lehramtlicher Positionen gegen den Strich und erschloss mit bisweilen suggestiver Stärke die unendlichen Weiten eines Denkens, das sich an der Wahrheit, Ästhetik und Liebe orientierte. Deshalb genoss Prof. Bachl in seiner Zeit als Hochschulprofessor in Linz zurecht den Ruf eines Intellektuellen, der über die Grenzen der Ortskirche ausstrahlte.

Sein Tod bedeutet einen großen Verlust für Wissenschaft, Kultur und Kirche. Die KU Linz wird Gottfried Bachl ein ehrendes Andenken erhalten und sein Credo des kritischen Denkens, seine Stärkung eines Menschseins, das bereit ist, auch gegen den Strom der Massen zu schwimmen, weiterführen, indem sie die Impulse von Prof. Bachl als zeitlose Haltungen des theologischen Lehrens und Lernens fortsetzt."

Lebenslauf Prof. Gottfried Bachl

Gottfried Bachl wurde am 16. April 1932 in Pregarten geboren. Nach der Matura 1953 am Kollegium Petrinum trat er in das Linzer Priesterseminar ein. 1953 begann er das Philosophie- und Theologiestudium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und wurde 1959 in Rom zum Priester geweiht. 1963 schloss er das Doktorratsstudium ab.

Von 1963 bis 1966 war Gottfried Bachl Seelsorger in der Pfarre Wels-St. Stephan und von 1966 bis 1970 Religionslehrer am Wirtschaftskundlichen Mädchen-Realgymnasium der Schulschwestern in Wels. Ab 1970 arbeitete Gottfried Bachl zuerst als Lehrbeauftragter und war ab 1973 Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz. 1973 erhielt er auch den Lehrauftrag für Dogmatik an der früheren Religionspädagogischen Akademie der Diözese Linz.

Neben seiner Lehrtätigkeit half Bachl in der Seelsorge der Pfarre Linz-Christkönig mit. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen und hielt zudem Predigten und Vorträge im Österreichischen Rundfunk.

1983 erhielt Gottfried Bachl den Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität Salzburg. 1998 emeritierte Bachl als Universitätsprofessor in Salzburg.

Die Verabschiedung findet aufgrund der derzeitigen Beschränkungen im kleinen Kreis in der Pfarrkirche Weyregg statt. Das Requiem und die Urnenbeisetzung erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt.

26.5.2020/he

Univ.-Prof. Dr. Gottfried Bachl © Kathrin Gärtner

Univ.-Prof. Dr. Gottfried Bachl. © Kathrin Gärtner