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18.01.2017, 14:00: Vortrag Prof. Thomas Macho.

"Ein blaues Herz auf der Stirn: Distinktionen des Schreckens" lautet der Titel des öffentlich zugänglichen Vortrags von Univ.-Prof. Dr. Thomas Macho (im Rahmen der Vorlesung Philosophische Anthropologie von Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs) am Mittwoch, dem 18. Jänner 2017 an der KU Linz.


Univ.-Prof. Dr. phil. Thomas Macho.
Univ.-Prof. Dr. phil. Thomas Macho

Der Vortrag befasst sich mit der Kommentierung einer Tagebuchein­tragung Hugo Balls (vom 14. Mai 1921). Diese Eintragung lautet: »Ob man sich ein Herz auf die Stirn tätowieren sollte? Alle Welt würde dann sehen: das Herz ist ihm in den Kopf gestiegen. Und da es ein tintenblaues Herz, ein sterbeblaues, ein agonisches Herz wäre, könnte man auch sagen: der Tod ist ihm in den Kopf gestiegen. Wir brauchen nur aufzuschreiben, wie tief uns der Schrecken traf.« Balls Notiz wird in drei Abschnitten kontextualisiert: in einem ersten Kommentar hinsichtlich einer program­matischen Ästhetik der Tätowierung, wie sie exemplarisch aus Arthur Rimbauds zweitem Seherbrief abgeleitet werden kann. Ein zwei­ter Blick betrifft die Wendung vom Herz der Vernunft, die als Zentrum der Phi­losophie Blaise Pascals betrachtet werden kann. Ein dritter Abschnitt widmet sich schließlich der Frage, wieso prominente Tätowierungs­motive der Gegenwart so häufig auf Sterben, Tod und Verwesung referieren.

Univ. Prof. Dr. phil. Thomas Macho war von 1993 bis 2016 Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1976 wurde er mit einer Dissertation zur Musikphilosophie an der Universität Wien promoviert. Mit einer Arbeit über Todesmetaphern habilitierte er sich 1983 für das Fach Philosophie an der Universität Klagenfurt. Macho war Mitbegründer des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik und von 2006 bis 2008 Dekan der Philosophischen Fakultät III. Von 2008 bis 2009 war er Fellow am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie an der Bauhaus-Universität Weimar; von 2009 bis 2011 Direktor des Instituts für Kulturwissenschaft. Im Studienjahr 2013/14 war er Fellow am Internationalen Kolleg "Morphomata" an der Universität Köln.

Seit März 2016 ist Thomas Macho Leiter des IFK - Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz.

10.01.2017/he


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