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Thomas-Akademie: Gerold Lehner zu Reformation und Ökumene.

Mit der Veröffentlichung der 95 Thesen im Jahr 1517 löste Martin Luther einen der wirkungsmächtigsten Reformprozesse der Geschichte aus. Aus Anlass des historischen Jubiläumsjahres referierte Festredner Superintendent Gerold Lehner im Rahmen der Thomas-Akademie am 24. Jänner 2017 über den „Nutzen und Nachteil der Reformation für die Ökumene“. Lehner beschrieb die Reformation dabei nicht als singuläres Ereignis, sondern als Entwicklungsprozess und als Anstoß für Gegenwart und Zukunft.


Von li: Regens KonsR Dr. Johann Hintermaier, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Superintendent Dr. Gerold Lehner, Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer.
Bild von li: Regens KonsR Dr. Johann Hintermaier, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Superintendent Dr. Gerold Lehner, Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer.

Rektor Franz Gruber begrüßte zahlreiche Ehrengäste aus Kirche, Wirtschaft und Politik, darunter Magnus Cancellarius Diözesanbischof Manfred Scheuer, Landeshauptmann Josef Pühringer, Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger, Abtpräses Christian Haidinger und Superintendent a.D. Hansjörg Eichmeyer. In seinen Eröffnungsworten betonte er, dass heute „der Glaube an die rechtfertigende Gnade Gottes keine kirchentrennendes Hindernis mehr“ darstelle. Deshalb kann das Reformationsjubiläum erstmals im ökumenischen Geiste begangen werden, „in dem beide Seiten sowohl den Segen aber auch die Wunden und die Schuld in der reformatorischen Trennung der Kirchen anerkennen können“, so Gruber. Als Zeichen dieser Gemeinsamkeit versteht Rektor Gruber das „Gemeinsame Wort zum Reformationsgedenken 2017“ der römisch-katholischen Diözese Linz der der Evangelischen Kirche A.B. in Oberösterreich. Dessen Ziel ist es, in den jeweiligen Kirchen Impulse für die Weiterentwicklung der Ökumene zu setzen.

Bischof Manfred Scheuer unterstrich in seinen Grußworten, dass Ökumene einerseits die eigene Umkehr und Buße brauche, andererseits aber ein klares Bewusstsein der Trennung. Es gehe um gegenseitiges Geben und Empfangen. Gerade dort wo ein Konsens auf Worte hin nicht zustande komme, sei eine Gesprächshaltung des Zuhörens, des Verstehens notwendig. Katholisch und evangelisch seien nicht unvereinbar – der gemeinsame Blick auf Christus regle das Miteinander neu, bekräftigte Bischof Scheuer.

Festvortrag: Dr. Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Diözese OÖ.
Dr. Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Diözese OÖ.

Superintendent Gerold Lehner näherte sich in seinem Festvortrag dem Thema der Ökumene soziologisch an. Er unterschied drei Ebenen von Reform: Anpassung, grundlegende Veränderung, die die Identität beeinflusst und letztlich Transformation, die die Strukturen von Systemen grundsätzlich verändert.

Reformation sei immer differenziert zu sehen. Bereits im Neuen Testament liege im Verhältnis von Judentum und Christentum die Erfahrung von Reformation zugrunde: Aus dem Bemühen von Jesus von Nazareth das Judentum zu reformieren, entstand letztlich eine neue Glaubensgemeinschaft.

Als weitere Reformbewegungen nennt Superintendent Lehner den Pietismus und das II. Vatikanische Konzil: Auch das II. Vatikanische Konzil hat unter Papst Johannes XXIII. Reformanliegen entwickelt, die einen Streit, ja Widerstand und Ablehnung hervorgerufen haben. Reformen führen zu Spannungen, wichtig sei es, die Einheit zu wahren. Kriterium für das Gelingen der Reform sei die Besinnung auf die Heilige Schrift und die Bereitschaft immer wieder umzukehren. Diese Forderung des II. Vatikanischen Konzils ist für Lehner identisch mit der Aussage von Luthers 95. These der Ablassschrift.

Reformation ist nicht nur eine historische Fragestellung, sondern auch eine der Gegenwart und der Zukunft. Tradition sei hilfreich, jedoch keine unveränderbare Norm, so Lehner.

Musikalisch umrahmt wurde die Festveranstaltung von Magdalena Hasibeder am Cembalo und der Sopranistion Johanna Falkinger.

25.01.2017/he


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