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Tagung Kunstwissenschaft. Mode im Wandel der Zeit.

Der Fachbereich Kunstwissenschaft der Katholischen Privat-Universität Linz veranstaltete von 10.-11. März 2017 gemeinsam mit dem Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst, Salzburg eine Tagung zum Thema "Mode – Zwischen Ewigkeit und Flüchtigkeit". Ausgewählte Theoretikerinnen, Modedesignerinnen und Künstlerinnen aus dem deutschsprachigen Raum diskutierten zusammen mit ExpertInnen aus den Universitäten, Museen und der freien Szene vor Ort den Aspekt der Zeitlichkeit von Mode.


Mode im Wandel der Zeit. Julio Escudero, Virtual Clothing, 2016.
Schneiderpuppe mit rosa Kleid in einer Halle.

Mode wird traditionell mit Geschwindigkeit, Flüchtigkeit und Vergänglichkeit verbunden. Seit sie im späten Mittelalter auftauchte, ist sie durch ihr Streben nach Innovation geprägt. Das Verhältnis der Mode zum modernen Tempo bildete bereits eines der zentralen Themen der im 19. Jahrhundert aufkommenden Modetheorie. In den letzten Jahren hat sich das Tempo des modischen Wechsels nochmals entscheidend beschleunigt. Ausgehend vom Niedrigpreissektor hat der immer schnellere Wechsel auch die gehobene Mode erfasst. Mode wird jedoch mittlerweile vom rasanten Wandel herausgefordert: Seit einigen Jahren bestimmt das Empfinden einer Krise des Modesystems die Debatten. Damit wird auf die aktuellen strukturellen Veränderungen und die schwerwiegenden kreativen Umwälzungen der Branche reagiert. Als Gegenpol zur sogenannten „Fast Fashion“ hat sich die immer einflussreicher werdende Gegenbewegung „Slow Fashion“ formiert, doch deren Schlagkraft wird bezweifelt. Spekuliert wird, ob sich das System der Mode durch sein rasantes Tempo selbst zerstört. Die Vorträge und Diskussionen der Tagung folgten dieser pessimistischen Sichtweise jedoch keineswegs. Vielmehr lag der Fokus auf den künftigen Chancen, die sich aus einem neuen Designverständnis und einem neuen Selbstverständnis der DesignerInnen ergeben könnten. Die DiskussionsteilnehmerInnen waren sich einig, dass in diesem Prozess nicht nur Praxis, sondern vielmehr einer intensiven Zusammenarbeit von PraktikerInnen und TheoretikerInnen bedürfe, um neue Wege zu entwickeln, die Mode, Kunst, Design, Handwerk, Technologie und Wissenschaft zu einer produktiven interdisziplinären Arbeit zusammenführen. 

Ein besonderes Highlight der zweitägigen Veranstaltung war der Abendvortrag der renommierten Design- und Modetheoretikerin Ingeborg Harms. Seit Jahren schreibt die Professorin für Designtheorie mit Schwerpunkt Mode an der Universität der Künste Berlin regelmäßig für große Wochenzeitungen, glamouröse Modezeitschriften und anspruchsvolle Designzeitschriften und hat dadurch zur Erweiterung des Feuilletons durch eine kritische Modeberichterstattung beigetragen. Die TagungsteilnehmerInnen wurden von ihr auf eine intellektuell höchst herausfordernde Reise in die Welt der Mode der Gegenwart mitgenommen und dabei mit der These konfrontiert, ob die Allgegenwart von Jeans, Kapuzenpulli und Sneakers als eine Form der Absage an die Mode wie wir sie kennen zu verstehen sei, die auf die Überforderung der Individuen durch die vielfältigen Wahlfreiheiten im Alltag der Gegenwart zu verstehen sei. Gleichwohl glaubt Harms nicht an ein Ende der Mode, sondern freut sich auf eine neue aus dem Geist der Interdisziplinarität hervorgehende Zukunft der Mode.

Programmflyer Tagung 10.-11.3.2017

15.3.2017/bs/kd

Katja Weeke, M.A., Freiburg, referiert zu Visionen zwischen Mode und Kunst.
Vortrag von Katja Weeke, M.A.: Visionen zwischen Mode und Kunst: Neue Technologien und Materialien.
Die Initiatorinnen und Organisatorinnen der Tagung: Mag. Dr. Silke Geppert, Salzburg, und Ass.-Prof. Dr. Barbara Schrödl, Linz.
von li: Mag. Dr. Silke Geppert, Salzburg, und Ass.-Prof. Dr. Barbara Schrödl, Linz.
Univ.-Prof. Dr. Christiane Luible-Bär, Linz, thematisiert "Another Dimension of Fashion".
Univ.-Prof. Dr. Christiane Luible-Bär referiert zum Thema "Another Dimension of Fashion".
Dr. Hanni Geiger, München, (li. im Bild neben Mag. Dr. Silke Geppert) zu Mensch-Maschinen zwischen Kunst und Mode.
von li: Dr. Hanni Geiger, LMU München, Mag. Dr. Silke Geppert, Mozarteum Salzburg.

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