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Studientag zum Thema Konsum als ethische Herausforderung.

Mit wirtschaftlicher und ethischer Verantwortung zwischen Markt, Staat und Gesellschaft beschäftigte sich der Studientag „Konsumethik“ der Interdisziplinären Arbeitsgruppe „Wirtschaft – Ethik – Gesellschaft“ am 9. Dezember 2016 an der KU Linz.


Studientag zum Thema Konsumethik.
Studientag zum Thema Konsumethik.

Der Konsum dürfte in marktwirtschaftlich geprägten Gesellschaften zu den bedeutendsten ethischen Herausforderungen der Gegenwart gehören. Durch unübersichtliche Produktionsverfahren und verzweigte Handelswege ist häufig kaum mehr überschaubar, wo und unter welchen Bedingungen Waren gefertigt werden. Vom Kauf der täglich benötigten Lebensmittel über die Anschaffung von Kleidung bis zur Wahl der allgegenwärtigen elektronischen Geräte sind wir als KonsumentInnen permanent herausgefordert, Konsumentscheidungen zu treffen, die auch ethisch zu verantworten sind. Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Wirtschaft – Ethik – Gesellschaft" der Katholischen Privat-Universität Linz lud deshalb am 9. Dezember 2016 zu einem Studientag zum Thema Konsumethik ein, zu dem Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß, Sprecher der Arbeitsgruppe, namhafte Referenten und zahlreiche TeilnehmerInnen – überwiegend von außerhalb der Universität – begrüßen konnte.

Univ.-Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Universität Kiel.
Univ.-Prof. Dr. Ludger Heidbrink von der Universität Kiel.

Mit der Verteilung der Verantwortung zwischen der Politik, den Unternehmen und den Konsumenten als wirtschaftliche Akteure setzte sich Univ.-Prof. Dr. Ludger Heidbrink von der Universität Kiel auseinander. Aus seiner politisch-philosophischen Perspektive skizzierte er die Möglichkeiten und Grenzen einer bei den KonsumentInnen ansetzenden ethischen Reflexion des Wirtschaftens. Daran konnte Florian Ablöscher von FairTrade Austria (Wien) anschließen und die Genese seiner inzwischen bedeutenden NGO darstellen. Diese ist genau aus dem Bedürfnis heraus entstanden, ein Label zu schaffen, das es KonsumentInnen ermöglicht, ihre Konsumentscheidungen unter Fairnessgesichtspunkten zu treffen. Vor allem eine ökologische Stoßrichtung hat dagegen das Unternehmen "Grüne Erde", dessen Strategie von Kuno Haas vorgestellt wurde. Deutlich wurde dabei, dass dieses Geschäftsmodell fast ausschließlich die Milieus in der oberen Hälfte der Einkommen erreicht.

Mag. Matthäus Fellinger, Chefredakteur der Kirchenzeitung der Diözese Linz wies in der Diskussion darauf hin, dass es eine Herausforderung sei, ähnliche Modelle – seien sie mit einer ökologischen oder mit einer sozialen Zielsetzung – auch für die Milieus mit niedrigeren Einkommen zu entwickeln. Ludger Heidbrink entgegnete, dass es durchaus plausibel sei, dass Personen mit höheren Einkommen eine größere Belastung durch ökofairen Konsum tragen, weil deren Beitrag zum Kohlendioxidausstoß auch deutlich höher sei als jener der Bezieher geringerer Einkommen. Betont wurde von Heidbrink auch, dass der Aspekt der KonsumentInnenethik in der Wirtschaftsethik bisher eine völlig untergeordnete Rolle spielt und die entsprechenden Potenziale bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind – dies scheint, so Christian Spieß in seinen Bemerkungen zum Abschluss des Studientages, den Entschluss der Arbeitsgruppe "Wirtschaft – Ethik – Gesellschaft" zu bestätigen, dieses Thema zum Schwerpunktthema der kommenden Jahre zu machen. Spieß schloss mit einem Dank die Referenten und die TeilnehmerInnen sowie an die Wirtschaftskammer Oberösterreich, die den Studientag großzügig finanziell unterstützt hat.

19.12.2016/cs/he


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