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Sozialplattform: Podiumsdiskussion zu Migration und Integration.

"(Bildungs-)Herausforderungen im Kontext von Migration und Integration" war Thema der ersten Veranstaltung der "Sozialplattform Migration" am 11. Oktober 2016, bei der sich ein hochkarätig besetztes Podium den Fragen des Publikums stellte. Hervorgehoben wird die gelungene Kooperation zwischen Politik und Nichtregierungsorganisationen angesichts der aktuellen Herausforderungen durch Zuwanderung.


Auf die unüberschaubare Vielfalt der Herausforderungen angesichts der Migration im Allgemeinen und der gegenwärtigen Zuwanderung von Flüchtenden aus Syrien, Irak und Afghanistan im Besonderen wies zum Auftakt der Veranstaltung Ass.-Prof. Dr. Andreas Telser in seiner Einführungsansprache hin: Migration einerseits, Integration andererseits – und der schillernde Begriff des „Flüchtlings“, der von unterschiedlichen Akteuren für die jeweils eigene Position instrumentalisiert wird, mal als kulturelle Bereicherung der Gesellschaft und mal als Sozialschmarotzer skizziert wird.

von li: Dr.in Renate Müller, Dir. Mag. Thomas Märzinger, Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin, Mag.a Marion Huber, Mag.a Gabriele Eder-Cakl.
ReferentInnen am Podium von li: Dr.in Renate Müller, Dir. Mag. Thomas Märzinger, Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin, Mag.a Marion Huber und Mag.a Gabriele Eder-Cakl (Moderation). (c) KU Linz/Eder

Dass dieses Spannungsfeld im Lauf des Abends ein wenig übersichtlicher wurde, war das Verdienst der Gäste am Podium. Dr.in Renate Müller, Leiterin der Integrationsstelle des Landes Oberösterreich, bot einen Überblick über die Aufgaben im Bereich Bildung, die von Sprachkursen über die Betreuung von Einwanderern während der Ausbildung bis zur Begleitung und Moderation der Integrationsarbeit in den oberösterreichischen Gemeinden reicht.

Neben dieses Aufgabentableau der Politik stellte Mag. Thomas Märzinger, Stellvertretender Landesgeschäftsleiter des Roten Kreuzes Oberösterreich und als solcher verantwortlich für den Bereich Migration, das nicht weniger vielgestaltige Engagement einer Nichtregierungsorganisation. Märzinger erinnerte noch einmal daran, dass alleine in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres 500.000 Menschen als Flüchtende durch Oberösterreich reisten – und dass diese Herausforderung insgesamt eben doch recht souverän gemeistert wurde, was nicht zuletzt dank der insgesamt bis zu 10.000 Mitarbeiter und freiwilligen Helfer des Katastrophenschutzes des oberösterreichischen Roten Kreuzes möglich war. Geleistet wird vom Roten Kreuz keineswegs „nur“ die medizinische Erstversorgung und Betreuung der Flüchtenden, sondern – etwa mit dem Suchdienst – auch die Zusammenführung von Familien und nicht zuletzt Sprachkurse und Werteschulungen.

An die Situation des vergangenen Jahres erinnerte auch Mag.a Marion Huber, Leiterin der Flüchtlingshilfe der Caritas Oberösterreich. Während im vergangenen Sommer und Herbst zunächst die Aufgaben der Erstversorgung und unmittelbaren Betreuung von Flüchtenden im Mittelpunkt standen, stelle sich nun zunehmend die Dauer der Asylverfahren als Problem dar, etwa wegen des monate- oder jahrelangen Brachliegens von Kompetenzen der Asylwerber. Für schulpflichtige Kinder werden beispielsweise Lerncafés angeboten, in denen unter oft schwierigen Voraussetzungen grundlegende Bildungsarbeit geleistet werde.

Einen möglichen Beitrag der Praktischen Philosophie skizzierte Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin in zwei Hinsichten: Zum einen böten sich eine Reihe konkreter ethischer Herausforderungen, etwa in der Gesundheitsversorgung von Asylwerbern; zum anderen sei eine gewisse Erosion von bis vor Kurzem sicher geglaubten ethischen Grundlagen zu beobachten: Liberale Menschenrechte wie das Asylrecht stünden plötzlich zur Disposition, und es sei nicht zuletzt die Aufgabe einer Universität wie der KU, auf die Bedeutung solcher normativen Fundamente für unser Zusammenleben hinzuweisen.

In der von Mag.a Gabriele Eder-Cakl, Leiterin des Begegnungszentrums „Haus der Frau“ der Diözese Linz, moderierten Diskussion wurden die größten Schwierigkeiten im Bereich der Bildung und Ausbildung erörtert. Schwierig sei es beispielsweise alleine schon, den tatsächlichen Ausbildungsstand der Migranten zu erheben. In nicht wenigen Fällen gehe es schlicht um die Alphabetisierung von Einwanderern, in anderen um die angemessene Zuordnung von im Herkunftsland erworbenen Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen zum österreichischen Ausbildungssystem. Kritisiert wurde die Kürzung der Mindestsicherung für Flüchtende in Oberösterreich, nicht zuletzt mit dem Hinweis darauf, dass dies zu einer neuerlichen „Binnenmigration“ zwischen den Bundesländern führe und erfolgreich begonnene Integrationsprozesse dadurch förmlich abgebrochen würden. Insgesamt betonten die Gäste des Podiums aber die grundsätzlich sehr gute und fruchtbare Zusammenarbeit sowohl zwischen der Integrationsstelle des Landes und den NGOs als auch zwischen den verschiedenen Nichtregierungsorganisationen.

12.11.2016/Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß/he

von li: Mag.a Gabriele Eder-Cakl (Moderation), Dr.in Renate Müller (Integrationsstelle des Landes OÖ), Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin (KU Linz, Institut Praktische Philosophie/Ethik), Mag.a Marion Huber (Caritas Flüchtlingshilfe OÖ), Dir. Mag. Thomas Märzinger (Rotes Kreuz OÖ, Bereich Migration). (c) KU Linz/Eder
von li: Gabriele Eder-Cakl (Moderation), Renate Müller (Land OÖ), Lukas Kaelin (KU Linz), Marion Huber (Caritas), Thomas Märzinger (Rotes Kreuz OÖ). (c) KU Linz/Eder

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