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Philosophie und Musik. Vortrag von Prof. Jürgen Stolzenberg.

Zum Thema "Philosophie und Musik. Über den religiösen Gehalt der Musik Anton Bruckners: Das Adagio der 9. Sinfonie" referierte Prof. Dr. Jürgen Stolzenberg am 29. November 2016 an der KU Linz anlässlich des 120. Todestages des Komponisten.


Prof. Dr. Jürgen Stolzenberg.
Prof. Dr. Jürgen Stolzenberg.

Rund um Anton Bruckners 120. Todestag wurde vom Fachbereich Philosophie der KU Linz in Kooperation mit der Anton Bruckner Privatuniversität am 29. November 2016 ein Vortrags­abend veranstaltet, der Bruckners Musik am Beispiel seiner neunten und letzten Sinfonie auf ihren religiösen Gehalt hin befragte. Für einen außergewöhnlichen Auftakt sorgte dabei das Hornensemble der Anton Bruckner Privatuniversität, das mit eindrücklichen musikalischen Darbietungen das Auditorium auf den musikästhetischen Vortrag einstimmte, für den mit Jürgen Stolzenberg ein international renommierter Philosoph gewonnen werden konnte.

In kritischer Absetzung sowohl von biographischen als auch von rein formalistischen Werkinterpretationen widmete sich Stolzenberg, Professor emeritus der Universität Halle-Wittenberg und selbst studierter Musiker, in detaillierter Analyse den komposi­tionstech­ni­schen Tatsachen in ihrem sinfo­nischen Kontext, um so den "expressiven Gehalt des musikalisch autonomen Kunstwerks" auch anhand ausge­wählter Ton- und Noten­beispiele gleichsam anschaulich werden zu lassen. Sollte das Adagio seiner neunten, "dem lieben Gott" gewidmeten Sinfonie für Bruckner selbst noch schlicht "das Schönste" sein, so vermochte Stolzenberg die inno­vative Formgestaltung dieses letzten vollendeten Satzes als "das Radikalste und Avancierteste" zu erweisen, das Bruckner je geschrieben habe: "Es handelt sich genauer gesagt um eine bis dahin – und das heißt, nicht nur im Brucknerschen Œuvre, sondern in der gesamten Musik des 19. Jahrhunderts – im Wortsinne unerhörte Verschärfung der Dissonanz". Das generelle Grundverhältnis religiösen Bewusstseins fand Stolzenberg bei Bruckner insofern beschrieben, als das Adagio in einer erhabenen Erfahrung ausklinge, deren Transzendenz allen Schmerz der Dissonanz schließlich in ein unend­lich Offenes übersteige. "Wenn Religion dadurch bestimmt ist, den Vollzug des Lebens unter der Idee des Unbedingten zu begreifen", so Stolzenbergs Fazit, "dann hat die Musik Anton Bruckners einen religiösen Gehalt".

2.12.2016/cr/he


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