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Neues Institut für Christliche Sozialwissenschaften Johannes Schasching SJ an der KU Linz.

Mit der Errichtung des neuen Instituts für Christliche Sozialwissenschaften Johannes Schasching SJ erfährt dieser Fachbereich eine organisatorische Neustrukturierung. Als Namensgeber fungiert dabei der bedeutende österreichische Sozialethiker Pater Johannes Schasching SJ, der am 10. März 100 Jahre alt geworden wäre und der die für das Fach typische dreidimensionale Ausrichtung in besonderer Weise verkörperte: Es geht stets um einen konstruktiven Dialog von Wissenschaft, kirchlicher Sozialverkündigung und gesellschaftlicher Praxis.


Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß, Vorstand des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften Johannes Schasching SJ.
Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß, Professor der Christlichen Sozialwissenschaften und Vorstand des neuen Instituts. (c) Diözese Linz / Appenzeller

Die Katholische Privat-Universität Linz würdigt mit der Benennung des neuen Instituts den Einfluss Johannes Schaschings auf die Weiterentwicklung der katholischen Soziallehre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. „Schasching hat einen erheblichen Beitrag zur Erneuerung des Sozialkatholizismus und insbesondere zur Modernisierung der kirchlichen Sozialverkündigung geleistet“, betont Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß, Professor der Christlichen Sozialwissenschaften und Vorstand des neuen Instituts.

Die Christlichen Sozialwissenschaften reflektieren die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen der Gegenwart im Spiegel der christlichen Glaubenstradition. Zum einen geht es dabei um einen analytischen Zugang zu modernen Gesellschaften: Was bedeuten die Prozesse der funktionalen Differenzierung, der Arbeitsteilung, der Individualisierung, der Pluralisierung und der Säkularisierung und welche Konsequenzen haben sie für die Religion? Zum anderen geht es um die sozialethische Reflexion der Marktwirtschaft, des Sozialstaats, von unterschiedlichen Lebensformen und deren rechtlicher Rahmung, von Gerechtigkeit und Frieden.

Die Christlichen Sozialwissenschaften suchen immer auch das Gespräch außerhalb der Wissenschaft, etwa mit Akteuren in der Wirtschaft, in Kammern und Gewerkschaften, in NGOs und Wohlfahrtsverbänden sowie natürlich in der Kirche und im Sozialkatholizismus, insbesondere etwa in der Caritas und in der katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung. Mit seinem Appell für eine Kirche, die an die Ränder der Gesellschaft geht, sowie in Texten wie „Evangelii gaudium“ und „Laudato si‘“ setzt auch Papst Franziskus wieder starke sozialethische Akzente.

Mit der Umbenennung des „WER-Preises für die Förderung des Dialogs von Wirtschaft, Ethik und Religion“ in „Pater Johannes Schasching SJ-Preis“, den die Industriellenvereinigung in Kooperation mit der KU Linz vergibt, mit der Ausschreibung eines Pater Schasching-Stipendiums für Forschungsarbeiten im Bereich der Christlichen Sozialwissenschaften durch die Johannes Schasching-Gesellschaft sowie mit der Vergabe eines Schasching-Fellowships durch die Katholische Sozialakademie (ksö) beteiligen sich auch andere Organisationen an einer angemessenen Würdigung des Lebenswerkes von Pater Schasching. Die österreichische Provinz der Jesuiten hat den Nachlass von Pater Schasching SJ als Dauerleihgabe zur Forschung an das neue Institut übergeben.

P. Johannes Schasching SJ (1917-2013).
P. Johannes Schasching SJ (1917-2013). (c) kathbild.at / Franz Josef Rupprecht

Pater Johannes Schasching SJ wurde am 10. März 1917 in St. Roman in Oberösterreich geboren. Er besuchte das Jesuiten-Gymnasium Collegium Aloisianum am Freinberg in Linz und trat nach der Matura 1937 in die Gesellschaft Jesu ein. Er studierte Philosophie, Theologie, Staatswissenschaften sowie Soziologie etwa in München, Wien, Innsbruck, in Chicago, New York und Löwen. Johannes Schasching profilierte sich als Universitätslehrer, er unterrichtete Sozialwissenschaften in Innsbruck und an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Zugleich war er Provinzial der österreichischen Jesuiten, dann Regionalassistent im Generalat des Jesuitenordens in Rom. Pater Schasching war Berater bis in höchste Kreise, etwa Konsultor des Päpstlichen Rates Iustitia et Pax, und Mitglied der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1991, war er bis 2005 in der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) in Wien tätig. Er wirkte mit am Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe Österreichs (1990) und am 2003 erschienenen Ökumenische Sozialwort der christlichen Kirchen Österreichs. 2013 verstarb P. Johannes Schasching im 97. Lebensjahr und im 77. Jahr seines Ordenslebens.

Für seine Verdienste um ein sach-, menschen- und gesellschaftsgerechtes Wirtschaften wurde er vielfach geehrt, unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1973), dem Großen goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1987). Im Jahr 2000 wurde Johannes Schasching mit dem ersten Ehrendoktorat der damaligen Katholisch-Theologischen Hochschule Linz, heute KU Linz, ausgezeichnet.

14.02.2017/he


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