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Maximilian Aichern-Vorlesung mit Professorin Ingeborg Gabriel.

"Quo vadis, Europa. Sozialethische Perspektiven" lautete das Thema zu dem die Wiener Sozialethikerin Universitätsprofessorin Dr.in Ingeborg Gabriel vom 14. bis 16. November 2016 im Rahmen der 14. Maximilian Aichern-Vorlesung an der Katholischen Privat-Universität Linz referierte.


Univ.-Prof.in Dr.in Ingeborg Gabriel.
Univ.-Prof.in Dr.in Ingeborg Gabriel. (c) KU Linz

Professorin Ingeborg Gabriel skizzierte das Projekt Europa (und insbesondere das Projekt der EU) als großes politisches Projekt der Nachkriegszeit, das das zunächst avisierte Ziel eines europäischen Bundesstaates nicht erreichte, sondern nach der Jahrtausendwende aus verschiedenen Gründen in eine Krise geraten ist. Von ökonomischen Verwerfungen (z.B. „Griechenlandkrise“) ebenso herausgefordert wie von der rechtspopulistischen Polemik (nicht zuletzt angesichts der aktuellen Zuwanderung von Flüchtenden), ist die EU zuletzt massiv unter Druck geraten. Dabei, so Gabriel, sei die europäische Einigung ein Feld, in dem christlich-sozialethische Prinzipien wie Solidarität und Subsidiarität, in dem auch das Menschenrechtsethos von den Freiheitsrechten bis zu den sozialen Anspruchsrechten sich fruchtbar entfalten konnten. So sei etwa in Westeuropa das Versöhnungswerk nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs in hervorragender Weise gelungen, so dass die westeuropäischen Nationalstaaten sehr rasch zu einer wirklichen Partnerschaft finden konnten.

Nach dem Fall der Mauer und der EU-Osterweiterung dagegen konnte dieser Prozess in Mittel- und Osteuropa nicht annähernd so erfolgreich fortgesetzt werden. Bei aller Zurückhaltung in Bezug auf die Frage, wie sich Europa, wie sich die EU weiterentwickeln werde, warb Gabriel in den Diskussionen mit den Studierenden nachdrücklich und engagiert für eine Fortsetzung des europäischen Friedensprojekts. Die Maximilian Aichern-Vorlesung dieses Studienjahres schärfte das Problembewusstsein für die Labilität Europas und war angesichts der zunehmenden antieuropäischen und europakritischen Propaganda nicht zuletzt auch ein starkes christlich-sozialethisches Plädoyer für die Fortsetzung des gemeinsamen europäischen Weges.

Maximilian Aichern-Vorlesung

Die Maximilian Aichern-Vorlesung wird an der Katholischen Privat-Universität Linz seit dem Studienjahr 2003/2004 als Veranstaltung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe „Wirtschaft – Ethik – Gesellschaft“ durchgeführt. Sie möchte die Anliegen des Linzer Altbischofs Maximilian Aichern aufnehmen und tradieren. Maximilian Aichern war von 1982 bis 2005 Diözesanbischof von Linz. In der österreichischen Bischofskonferenz war er als „Sozialbischof“ für gesellschaftliche und politische Fragen zuständig. Sein Sozialengagement war und ist über die Grenzen der Diözese und der katholischen Kirche hinaus bekannt und anerkannt. Er mahnt vor allem beharrlich die vorrangige Option für die Armen an („Die Verteilungsgerechtigkeit müsste uns allen auf der Seele brennen.“). Bischof Maximilian Aichern war u.a. entscheidend an der Entstehung des Sozialhirtenbriefes 1990 beteiligt, einem wichtigen Dokument des österreichischen und europäischen Sozialkatholizismus.


Maximilian Aichern Vorlesung an der KU Linz.
Univ.-Prof.in Dr.in Ingeborg Gabriel referiert im Rahmen der Maximilian Aichern Vorlesung an der KU Linz. (c) KU Linz
Univ.-Prof.in Dr.in Ingeborg Gabriel, Universität Wien.
Univ.-Prof.in Dr.in Ingeborg Gabriel zum Thema "Quo vadis, Europa. Sozialethische Perspektiven". (c) KU Linz

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