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Kas, Xöchts & Müch. Diskussion zum Thema Landwirtschaft.

Drei Studierende der KU Linz, Sarah Wagner, Josef Dorfner und Stefanie Hinterleitner, luden im Rahmen der Lehrveranstaltung Projektentwicklung am 25. Jänner 2017 zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel "Kas, Xöchts und Müch", bei der die gegenwärtige Situation der Landwirtschaft sowie ihre Zukunftsfähigkeit im nahezu bis zum letzten Platz gefüllten Hörsaal diskutiert wurde.


Von li: Clemens Stammler, Obmann der GBB OÖ und LK-Rat, Hedwig Lindorfer, Bezirksbäuerin Rohrbach, Mag. Leonhard Gmeiner, Weinbauer und Landesobmann der Jungbauern in OÖ, Stefanie Hinterleitner und Josef Dorfner, Studierende der KU Linz, Ewald Grünzweil, Milchbauer und Obmann der IG Milch, Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger und Sarah Wagner, KU Linz.


Von li: Clemens Stammler, Hedwig Lindorfer, Mag. Leonhard Gmeiner, Stefanie Hinterleitner, Josef Dorfner, Ewald Grünzweil, Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, Sarah Wagner. (c) KU Linz/Eder

Nach einführenden Statements der PodiumsteilnehmerInnen Prof. Michael Rosenberger (Moraltheologe an der KU Linz), Ewald Grünzweil (Milchbauer und Obmann der IG Milch), Clemens Stammler (Obmann der GBB OÖ und LK-Rat), Leonhard Gmeiner (Jungbauernobmann) und Hedwig Lindorfer (Bezirksbäuerin Rohrbach) führte Stefanie Hinterleitner durch die daran anschließende Diskussion.

Ewald Grünzweil, Obmann der IG Milch in Bad Leonfelden und Protagonist im Film „Bauer unser“, der sich für biologische Milchwirtschaft und faire Preise einsetzt, betonte eingangs, dass die gegenwärtige Landwirtschaft in eine völlig falsche Richtung unterwegs sei, wenn sie auf schier grenzenloses Wachstum und damit zugleich auf hemmungslose Ausbeute von Tier und Natur setze.

Mit ihrem Statement, dass Bäuerin zu sein keine Arbeits- sondern eine Lebensform sei, unterstrich Bezirksbäuerin Hedwig Lindorfer, dass dies weit mehr bedeute als einen Beruf auszuüben. LandwirtInnen sollen „den Markt wieder selbst in die Hand nehmen und ihre Betriebe für KonsumentInnen öffnen, damit diesen der unbezahlbare Wert von Landwirtschaft wieder erschlossen werde“, so Lindorfer.

Für Michael Rosenberger, Professor für Moraltheologie an der KU Linz, ist die Landwirtschaft das Schlüsselthema für eine zukunftsfähige Gesellschaft, da sie in unzählige Bereiche hineinwirkt. Ethisch verantwortete Landwirtschaft beinhaltet für Rosenberger Vielfalt und gesunde Lebensmittel, den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden sowie die Lebensräume Boden, Wasser und Luft zu schätzen.

Der Weinbauer und Landesobmann der Jungbauern in OÖ Leonhard Gmeiner hob hervor, wie wichtig es sei, sich gemeinsam für den Fortbestand der Landwirtschaft einzusetzen. Er sei offen für Vorschläge und plädiere dafür „so oft wie möglich, direkt bei einem Bauern bzw. einer Bäuerin einzukaufen“.

Clemens Stammler, Grüner Landwirtschaftskammerrat und Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern, rief zum Mut zur Umkehr auf. Denn immer größerer Wachstum und stärkere Intensivierung führen nicht zu Glück, sondern, ganz im Gegenteil, zu Verschuldung und Burn-Out.

Als Einstimmung für die anschließende Diskussion präsentierte das Organisationsteam eine in einem Kurzfilm zusammengefasste, mit Passanten auf der Linzer Landstraße durchgeführte Umfrage zur aktuellen Situation der Landwirtschaft.

Zwischen den PodiumsteilnehmerInnen und dem emotional involvierten Publikum wurden daraufhin vor allem folgende Bereiche angesprochen: Palmöl als größter Konkurrent der Milchwirtschaft; die Gastronomie als noch weitgehend ungenützte Chance der Landwirtschaft und die viel stärker notwendige Förderung von Start-Ups sowie Innovationen in der Landwirtschaft. Als erfolgreiche Beispiele wurden hier etwa Gebirgsgarnelen aus Tirol, Reis aus Niederösterreich und Safran aus dem Burgenland genannt. Weiters thematisiert wurden Steuern als regulierende Maßnahme – etwa die (un)mögliche Einführung einer Fleisch- und/oder Güllesteuer, die steuerliche Entlastung von Bio-Produkten sowie die steuerliche Belastung von Tier und Natur ausbeutenden Produkten.

Es bedürfe Mut zur Umkehr in der gesamten Denkweise, weg von Wachstum, hin zu Maßhaltung, wichtig sei es, Werte bereits frühzeitig in den Schulen zu vermitteln. Stark auszubauen sei auch der Kontakt zwischen LandwirtInnen, KonsumentInnen und WissenschafterInnen. Die Landschaftspflege und damit die Bewahrung der Landwirtschaft als Kulturgut, die von LandwirtInnen geleistet wird, ist ein unbezahlbarer Wert. LandwirtInnen bedürfen dringend einer Unterstützung vor allem in finanzieller Hinsicht, notwendig sei eine Verbesserung ihres Images.

Zahlreiche Gäste von nah und fern, die fast dreistündige Diskussion sowie tiefe Emotionen zeigten deutlich, dass die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft kein rein rationales Anliegen, sondern eine wahre Herzensangelegenheit ist.

30.01.2017/steni/he

Kurzfilm: Umfrage zur Situation der Landwirtschaft.


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