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"Zeit zu Denken": Geld kann man sich nicht aneignen.

Mit einem Vortrag von Dr. Werner Schmitt zum Thema "Das Geld als Bastard der Sprache. Überlegungen zu Liebrucks' Bestimmung des logischen Orts des Geldes" wurde die neue Vortragsreihe "Zeit zu Denken" des Instituts für Praktische Philosophie/Ethik am 21. Juni 2017 eröffnet. Die grundlegenden und sehr aktuellen Einsichten in das Wesen des Geldes wurden im Anschluss rege diskutiert.

Im Ausgang von einem Blick auf die Dialektik des menschlichen Weltumganges, die darin besteht, dass der Mensch zu einem Selbstverhältnis nur über seine Weltauseinandersetzung gelangt, erläuterte Schmitt die ebenso nur dialektisch begreifbare Natur des Geldes als einer "existierenden Funktion", die alles zur Ware macht. Er skizzierte die Entwicklung der Geldwirtschaft im Ausgang von der Tauschwirtschaft bis hin zum Kreditwesen und bargeldlosen Zahlungsverkehr und ging von da her der Frage nach, welchen Rückkoppelungseffekt das Geldwesen auf den menschlichen Weltumgang hat. Schmitt verdeutlichte, inwiefern sich der Mensch von der Wirklichkeit entfremdet, wenn er zwischen sich und die Dinge das Geld als realen Vermittler schiebt. Anhand vieler Beispiele zeigte Schmitt auf die mit der "Geldstufe des Bewusstseins" gegebene Gefahr einer Einhausung in ein undialektisches Verhalten: wenn nämlich vergessen wird, dass sich menschliche Weltauseinandersetzung nicht im Besitz, der durch das Geld widerstandslos möglich wird, erschöpft, sondern stets wirkliche Aneignung voraussetzt. Geld löst so den Menschen in seinem Gebrauch tendenziell aus den wirklichen Verhältnissen heraus. Dabei kann man Geld als Mittel für alle möglichen Bedürfnisse zwar besitzen, nicht jedoch sich aneignen. Wird dies übersehen, kommt es zur Vordatierung des Endzwecks auf die Mittel: Das Geld dient dann nur zu seiner eigenen Vermehrung.

Am Institut für Praktische Philosophie/Ethik will man mit der neuen Vortragsreihe "Zeit zu Denken", abseits der auf uns einstürmenden schnellen Antworten und Handlungsanweisungen, dem Denken Raum geben. Erst über diesen Umweg wird es (frei nach Hegel) möglich, unsere Zeit "in Gedanken zu erfassen". Dr. Werner Schmitt war von 1966 bis 1981 Mitarbeiter und letzter Assistent von Bruno Liebrucks an der Johann Wolfgang Goethe-Universität/Frankfurt am Main und eröffnete das neue Format.

Eine Audio-Aufnahme des Vortrages wird online zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zur Vortragsreihe "Zeit zu Denken" finden Sie hier

Dr. Werner Schmitt, Altdorf bei Nürnberg, und Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich, Institut für Praktische Philosophie/Ethik der KU Linz.

Dr. Werner Schmitt thematisierte Liebrucks' Bestimmung des logischen Orts des Geldes.

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