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Thomas-Akademie über Christen im Nahen Osten.

Die schwierige, mitunter aussichtslose Situation des Christentums im Nahen Osten, die bestehenden Konfliktlinien in der Region, sowie die dramatische Zerstörung christlichen Kulturgutes beschrieb Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Salzburg am 23. Jänner 2018 im Rahmen der Thomas-Akademie an der Katholischen Privat-Universität Linz. „Christen im Nahen Osten. Im Spannungsfeld zwischen Glauben und Politik“ lautete der Titel seines Vortrags.

Zur Festakademie um den Gedenktag des Philosophen und Theologen Thomas von Aquin, dem Patron der kirchlichen Hochschulen und Universitäten, begrüßte Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber zahlreiche VertreterInnen aus den Bereichen Kirche, Politik, Wirtschaft und Universitäten, darunter Generalvikar Univ.-Prof. DDr. Severin Lederhilger, Altbischof Dr. Maximilian Aichern, Regens Dr. Johann Hintermaier, die Ehrensenatoren Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Pühringer und Dr. Josef Kolmhofer, Vizerektor Dr. Alfred Klampfer von der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz sowie Dr. Bert Brandstetter, den Präsidenten der Katholischen Aktion.

Als Geburtsort der drei großen monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam ist die jahrtausendlange Geschichte des Nahen Osten geprägt vom Zusammenleben und Zusammenprall unterschiedlichster Völker, Religionen und geopolitischer Interessen, beschrieb Rektor Franz Gruber eingangs: „Wie in einem Brennpunkt verdichten sich in dieser Region globale Krisen und Begehrlichkeiten“, grandiosen kulturellen Leistungen steht seit jeher unfassbares Leid und Verfolgung gegenüber.

Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler.
Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler. (c) KU Linz/Eder

Es ist vor allem die permanente Kriegssituation, die die Christen in den Ländern des Nahen Ostens im 20. Jahrhundert zur Auswanderung zwingt, skizzierte Professor Dietmar Winkler, Leiter des Zentrums zur Erforschung des Christlichen Ostens, in seinem Vortrag. Der libanesische Bürgerkrieg, die Kriege im Persischen Golf – das Emporkommen und die Ausbreitung des Islamischen Staates (IS) als Folge des Dritten Irakkrieges sowie die Spirale von Gewalt im unübersichtlichen Bürgerkrieg in Syrien veranlassten Millionen von Christen zu Flucht und Emigration.

Konfliktlinien im Nahen Osten.

Sowohl im Nahen Osten wie auch in der Golfregion zeigen sich wiederholt Spannungslinien. Zu nennen ist hier etwa die Intervention des sunnitisch-wahabitischen Saudi Arabiens im Jemen gegen die vom Iran unterstützten aufständischen schiitischen Huthis; die Unterstützung der neuen irakischen Regierung durch den schiitischen Iran; die undurchsichtige Rolle Saudi Arabiens bei der Unterstützung des Terrorismus; die sogenannte „Anti-IS-Koalition“, der über 60 Staaten angehören sowie die komplexe Situation im vom Bürgerkrieg zerrütteten Syrien. Als die zwei wichtigsten nahöstlichen Regionalmächte nennt Winkler den Iran und Saudi Arabien, die seit dem „Arabischen Frühling“ durchaus unterschiedliche Signale aussenden.

Den religiösen und ideologischen Hintergrund der regionalen Auseinandersetzung der beiden Staaten bildet der sunnitisch-schiitische Konflikt, der in die Anfangszeit des Islam zurückgeht. Auch wenn die Konfliktlinie vor allem zwischen Sunniten und Schiiten verläuft, sind immer wieder Christen Ziele von Anschlägen.

Zerstörung christlichen Kulturerbes.

Doch nicht nur die menschliche Tragödie in Ländern wie Syrien und dem Irak ist hier zu erwähnen, sondern auch eine einzigartige Serie von Zerstörungen von Denkmälern durch den Islamischen Staat, betont Dietmar Winkler. Mit dem zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Museum von Mosul, der assyrischen Hauptstadt Nimrod oder der römischen Oasenstadt Palmyra wurden jahrtausendalte Kulturgüter vernichtet.

Auch bedeutende christliche Stätten sind davon betroffen. Das Ziel ist einerseits Medienpräsenz, andererseits aber die Auslöschung der christlichen Kultur. Die Vernichtung ältester christlicher Handschriften hat System, bedeutet sie doch das Auslöschen niedergeschriebenen theologischen Denkens und Glaubens, die Zerstörung der Klöster das Austilgen lebendiger Spiritualität. Das Bild ist daher nicht nur durch Millionen von Flüchtlingen geprägt – sowohl innerhalb der Region als auch durch die Emigration orientalischer Christen, sondern auch durch den Verlust wertvollster Traditionen, Spiritualitäten und Kulturen den Christlichen Orients, so Winkler.

Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler studierte Fachtheologie, Religionspädagogik, Deutsche Philologie und Alte Geschichte in Graz, Genf und Innsbruck. Seit 2005 ist er Professor für Patristik und Kirchengeschichte an der Universität Salzburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Orientalische Patristik und Historische Theologie, die Geschichte der Gegenwart der Ostkirchen und die Ökumene. Dietmar Winkler ist Konsultor im Päpstlichen Rat der Einheit der Christen und Kirchen, Vorstandsmitglied der Stiftung Pro Oriente und Wissenschaftlicher Leiter der "Pro Oriente Studies in der Syriac Tradition" sowie Leiter des ZECO - Zentrum zur Erforschung des Christlichen Ostens.

Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte Klarinettist David Lehner von der Anton Bruckner Privatuniversität.

25.1.2018/he

Von li: Altbischof Dr. Maximilian Aichern OSB, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler, Generalvikar Univ.-Prof. DDr. Severin Lederhilger OPraem, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer.

Musikalische Umrahmung. David Lehner von der Anton Bruckner Privatuniversität.

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