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Solidarische Landwirtschaft: Political Ecology and Social Ethics.

Im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Konsumethik" lud die Arbeitsgruppe Wirtschaft–Ethik–Gesellschaft (AG WiEGe) der Katholischen Privat-Universität Linz am 13. Juni 2017 zum Gastvortrag "Political Ecology meets Social Ethics. Solidarische Landwirtschaft als nachhaltige Produktions- und Lebensweise?" von Dr.in Christina Plank, Schasching-Fellow der Katholischen Sozialakademie Österreichs (KSOE) und Lehrende am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien.

Christina Plank eröffnete ihren Vortrag mit einem klaren Statement: "Solidarität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit gelte es zur alle betreffenden Aufgabe bzw. zum gemeinsamen politischen Ziel zu machen – das dahingehende Engagement rein als Konsument/in ist nicht ausreichend, um eine strukturelle Veränderung des bestehenden Systems zu erreichen." Diese Position untermauerte Plank im Laufe des Abends auch immer wieder mit Zitaten aus der Umweltenzyklika "Laudato Sì" von Papst Franziskus.

Zur gegenwärtigen Situation.

Einleitend stellte Christina Plank die gegenwärtige Situation der Landwirt/innen, welche unter der vorherrschenden imperialen Lebensweise, also dem Leben und Wirtschaften auf Kosten des "Globalen Südens" zu leiden haben, vor. Transnationale Unternehmen profitieren vom aktuellen globalen Landwirtschafts- und Ernährungssystem auf Kosten kleinbäuerlicher Betriebe. Vor allem verantwortlich dafür sei das sogenannte "Land-Grabbing", so Plank. Ackerland wird Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zu niedrigsten Preisen abgekauft, damit große globale Konzerne Agrarrohstoffe anbauen und so unter ihre Kontrolle bringen können. Der EU-Beitritt und die damit einhergehende globale Öffnung blieb auch für die Landwirtschaft in Österreich nicht ohne Konsequenzen: Seit Ende der 1950er-Jahre kam es zu einem Verlust eines Drittels der Ackerfläche sowie zur Halbierung der landwirtschaftlichen Betriebe.

Umdenken ist notwendig.

Dringend bedarf es demnach, so Plank in ihrem zweiten Teil des Vortrags, einer Veränderung des gesamten Systems, nämlich hin zu einer nachhaltigen Produktions- und Lebensweise, zu einer intra- und intergenerationellen Gerechtigkeit, zu einer Umgestaltung der Produktions- und Konsumbeziehungen sowie zu einer institutionellen Absicherung kleinbäuerlicher Strukturen. Ein Umdenken in Richtung mehr Solidarität und größerer Achtsamkeit sowie zur Konvivialität, zur Postwachstumsökonomie (Niko Paech; "Deep growth") und zum Erleben von Verzicht als Erfüllung, sei, laut Plank, ebenso notwendig.

"Solidarische Landwirtschaft" in Österreich.

Beim Modell der "Solidarischen Landwirtschaft" wird in Österreich von den Konsument/innen (den sogenannten "Ernteteiler/innen") das Risiko der Produzent/innen mitgetragen, indem sie bereits im Voraus, bevor sie die Produkte erhalten, die Finanzierung des jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebs übernehmen. Von "Ernährungssouveränitätsbewegungen" ausgehend gibt es inzwischen 30 derartige Initiativen in Österreich, die durch diese Lebensform auch praktisch Kritik am herrschenden "Corporate Food Regime" üben – beispielsweise den "Gärtnerhof Ochsenherz" in Gänserndorf bei Wien oder das Projekt "Morgentau Biogemüse" von Christian Stadler in Linz und Wels. Die Produktions- und Ernährungsweise einer "Solidarischen Landwirtschaft" fördert den Generationenwechsel der Landwirt/innen, den Ausstieg aus der kapitalistischen Produktionsweise, den Verzicht auf ökonomisches Wachstum, die Wertschätzung von Natur, Arbeit und Produkt sowie die Solidarität unter den kleinbäuerlichen Betrieben. Gründe für eine nicht bereits stärkere Verbreitung der "Solidarischen Landwirtschaft" sieht Plank in der nicht konsequent umgesetzten Risikoteilung, in der Möglichkeit der Umsetzung dieser Lebensform vorwiegend nur für die Mittelschicht der Ballungsräume, im fehlenden Wissen über das Kochen von erntefrischen bzw. saisonalen Produkten, in den bereits schlechten Bodenverhältnissen sowie in institutionellen Barrieren (wie Rechtsform, Organisation, Versicherung und Fördermittel).

Abschließend hob Plank die ideellen wie praktischen Stärken einer "Solidarischen Landwirtschaft" hervor: sie wirkt lokal global, sie ermöglicht das Ausprobieren solidarischer Praktiken und sie lebt nach dem Grundsatz "Teilen, was ich habe und nicht das, was übrig bleibt".

In der dem Vortrag folgenden Diskussion ging Christina Plank ausführlich auf die Fragen und Anregungen der Vortrags-TeilnehmerInnen ein. Ein "Weiterdenken" bzw. "weiter Denken" sowie die soziale, ökonomische und ökologische Dimension der Christlichen Sozialethik gleichwertig auf eine Stufe zu stellen, sei ganz im Sinne von Pater Johannes Schasching SJ, so Alt-Bischof Maximilian Aichern aus dem Publikum, den er wie folgt zitierte: "Dem Markt muss man Zügel anlegen, ansonsten besteht die Gefahr, dass er zu Ungunsten des Menschen ausschlägt."

19.6.2017/steni/he

Vortrag: Solidarische Landwirtschaft. (c) Hermine Eder

Dr.in Christina Plank, Wien. (c) KU Linz

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