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Ringvorlesung zu den Themen Gesundheit und Pflege.

Äußerst erfolgreich verlaufen sind die ersten drei Abende der Ringvorlesung "Gut versorgt? Ökonomie und Ethik im Gesundheits- und Pflegebereich", eine Veranstaltung der Arbeits- und Forschungsgruppe Wirtschaft-Ethik-Gesellschaft der KU Linz, in Kooperation mit der JKU Linz.

Von li: MMag.a Maria Dammayr, Univ.-Ass. Mag. Stephanie Steininger, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Emunds.
Von li: MMag.a Maria Dammayr, Univ.-Ass. Mag. Stephanie Steininger, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Emunds. (c) KU Linz/Eder.

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Emunds von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen und MMag.a Maria Dammayr, Lektorin an der JKU und Referentin im Sozialreferat der Diözese Linz, stimmten in ihren Vorträgen und Diskussionen am ersten Abend vor allem darin überein, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland der Personalschlüssel in den Alten- und Pflegeheimen massiv veraltet und viel zu niedrig angesetzt ist, was erhebliche Mängel in Pflege und Kommunikation zur Folge hat. Zur Behebung dieser oft menschenunwürdigen Zustände und Asymmetrien solle es daher eine Orientierung an den skandinavischen Ländern, vor allem an Norwegen, geben, dessen öffentliche Ausgaben in "long-term-care" 5,7% des BIP betragen anstatt 1,4% in Deutschland und Österreich.

Professorin Dr.in Greiling, Vorstand des Instituts für Management Accounting der JKU Linz und Dr. Lukas Kaelin, Ass.-Prof. am Institut für Praktische Philosophie/Ethik an der KU Linz stellten am zweiten Abend die unterschiedlichen Modelle des Österreichischen und des Schweizer Gesundheitssystems vor. Beiden Gesundheitssystemen gemeinsam ist die beständige Herausforderung eines ökonomisch und ethisch verantworteten Umgangs mit Ressourcenbegrenzung. Dieser Frage, ob Rationierung im Gesundheitswesen fair sein kann und wenn ja, wie, ging Dr. Michael Rosenberger, Professor für Moraltheologie an der KU Linz, am dritten Abend eindringlich nach.

In äußerst kurzweiligen und lebendigen Präsentationen legten die genannten Vortragenden Herausforderungen und Chancen unterschiedlicher Ansätze innerhalb des Gesundheitswesens dar. Dabei kamen Ursachen von Knappheit, Knappheit als Gegenstand der Ethik und der Ökonomie, ethisch und ökonomisch verantwortete Rationierung auf Patient/innenebene ebenso zur Sprache wie gebräuchliche Instrumente zur Lebensqualitäts-Messung.

Als Fazit dieser beiden Abende kann festgehalten werden, dass die Finanzierung eines jeglichen Gesundheitssystems ab einem gewissen Punkt an seine Grenzen stößt und Rationierung demnach unausweichlich ist. Die gemeinschaftliche Aufgabe besteht also darin, diese notwendige Rationierung fair zu gestalten. Und solange an keine "Gesundheitsreligion" geglaubt und das "Paradies" nicht bereits auf Erden erwartet wird, ist gerechte Rationierung auch möglich.

Nicht zuletzt auch aufgrund der äußerst relevanten Beiträge aus der tagtäglich erfahrenen und gelebten Praxis von Ärzt/innen, in der an die Präsentationen jeweils anschließenden Diskussionen, können die nun kommenden Abende der Ringvorlesung mit Spannung erwartet werden: Mag.a Christine Haberlander, Oberösterreichische Landesrätin, und Priv.-Doz. Dr. Jürgen Wallner, MBA, Leiter des Ethikprogramms der Barmherzigen Brüder Österreich, Dozent für Rechtsethik an der Universität Wien und an der JKU Linz werden am 15. November 2017 in das Oberösterreichische Gesundheitswesen der Zukunft sowie in dessen Rationalisierung, ein ethischer Auftrag mit Stolperfallen, einführen.

Besonders freuen wir uns, dass wir Univ.-Prof. Dr. Gerd Glaeske, Co-Leiter der Abteilung für Gesundheit, Pflege und Alterssicherung im SOCIUM (Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik) an der Universität Bremen für einen Vortrag gewinnen konnten: Am 22. November 2017 wird er zum Thema "Gerechtigkeit in der Arzneimittelversorgung – aber wer entscheidet darüber?" referieren. Professor Glaeske ist seit 2017 wissenschaftlicher Leiter des "Länger besser leben"-Instituts der Universität Bremen und der Krankenkasse BKK24 und gilt als der Experte in Arzneimittelfragen. Durch Interviews und Stellungnahmen in Printmedien, Radio und Fernsehen ist er einer breiten Öffentlichkeit bekannt. 

Gut versorgt? Ökonomie und Ethik im Gesundheits- und Pflegebereich
Ringvorlesung der KU Linz und der Johannes-Kepler-Universität Linz
Wintersemester 2017/18, jeweils Mittwoch 18:15 - 19:45 Uhr, KU Linz, Hörsaal 1

/// WEITERE TERMINE:

  • 15. und 22. November 2017
  • 13. und 20. Dezember 2017
  • 10., 17. und 24. Jänner 2018

14.11.2017/steni/he

Von li: Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin, MMag.a Maria Dammayr, Univ.-Ass. Mag. Stephanie Steininger, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Emunds.

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