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Post-Urbanität. Antrittsvorlesung von Prof. Ilaria Hoppe.

Urban Art, Bildwissenschaft sowie Architektur und Raumtheorie sind nur einige der Forschungsschwerpunkte von Ilaria Hoppe, Professorin für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien an der Katholischen Privat-Universität Linz. In ihrer Antrittsvorlesung am 31. Oktober 2017 stellte sie ihre Ansätze zur Erforschung und Vermittlung der vielfältigen Beziehungen von Kunst, Medien und Technik in ihrer alltäglichen und wissenschaftlichen Anwendung insbesondere im urbanen Bereich vor.

Mit der Gründung der Fakultät für Philosophie und für Kunstwissenschaft an der KU Linz erfolgte auch die Errichtung des von Ilaria Hoppe geleiteten neuen Instituts für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien. Künste sind längst nicht mehr hinter verschlossenen Türen von Galerie und Museum zu betrachten, sondern durchdringen alle gesellschaftlichen Bereiche. Das dialektische Verhältnis von Kunst und Leben hat die Avantgarden des 20. Jahrhunderts grundlegend geprägt und stellt auch heute im Zeitalter der Digitalisierung eine praktische wie theoretische Herausforderung dar.

In der Antrittsvorlesung gab Ilaria Hoppe eine Einführung in ihr Forschungsgebiet der Street Art, die sich genau an der Schnittstelle zwischen Kunst und Alltag bewegt. Die vielfältigen Erscheinungsformen wie Plakate, Sticker oder Stencils (mit Hilfe von Schablonen gesprühte Bilder) können ganze Stadtviertel prägen, die dann als besonders urban empfunden werden.

Urbanität ist wiederum ein vieldeutiger Begriff. Er umfasst Heterogenität und Dichte, aber auch Partizipation, Flüchtigkeit, Mobilität, Unterhaltung und mittlerweile auch Virtualität und Digitalisierung. In seiner Geschichte ist er sehr unterschiedlich ausgelegt worden, manchmal eher emanzipatorisch im Sinne aktiver Bürgerbeteilung, manchmal eher konsumorientiert.

Durch die Anwendung des Konzeptes des Post-Zeitgenössichen (Avenassian/Malik 2016) auf den Diskurs der Urbanität konnte Hoppe den Blick auf Stadtkonzepte der Zukunft entwickeln, die bereits unsere Gegenwart prägen. Smart cities in Indien, Investmentmodelle in China oder ‚Übungsstädte‘ des Militärs suchen alle einen Umgang mit der urbanen Herausforderungen im Prozess der Globalisierung. Post-Urbanität bedeutet dem zu Folge vor allem die Überwindung von Heterogenität und Partizipation. Formen wie Street Art haben dort keinen Platz.

Künstlerische Utopien wie den vom Künstlerkollektiv Time’s up im Lentos Kunstmuseum in Linz realisierten Turnton Docklands versuchen demgegenüber spielerisch Lösungsansätze zu verhandeln. Hierfür betonte Hoppe, dass es eben zu den Stärken der Kunst zähle, zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Kunst und Alltag kreativ zu vermitteln.

Ilaria Hoppe ist seit September 2016 Professorin für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien an der KU Linz. Sie studierte Kunstgeschichte, Italienische Literaturwissenschaft und Philosophie in Düsseldorf und Berlin. Es folgten Forschungsaufenthalte in Florenz und Wien. Nach ihrer Promotion 2004 an der Technischen Universität Berlin, war Hoppe von 2005-2016 an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Urban Art / Kunst im öffentlichen Raum, Architektur und Raumtheorie, Bildwissenschaft, Frauen- und Geschlechterforschung sowie Kunst der Frühen Neuzeit (Italien).

2.11.2017/he

Antrittsvorlesung zu Post-Urbanität: Univ.-Prof.in Dr.in Ilaria Hoppe.

Street Art: Swoon, Berlin 2007.

Von li: Dekanin Univ.-Prof. Dr. Anna Minta, Univ.-Prof. Dr. Ilaria Hoppe und Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber.

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