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Neuer Raum im Neuen Dom. Umgestaltung Mariendom.

Mit der derzeitigen Umgestaltung des Linzer Mariendoms beschäftigte sich das Symposium "Neuer Raum im Neuen Dom" am 12. Oktober 2017 an der Katholischen Privat-Universität Linz. Das aktuelle Konzept wurde aus baugeschichtlicher, architekturwissenschaftlicher und liturgietheologischer Perspektive analysiert und diskutiert.

Neugestaltung Mariendom.
Neugestaltung Mariendom. (c) Rendering Kuehn Malvezzi / Fotobasis Franz Wurm.

Der Linzer Mariendom erfährt derzeit eine theologisch wie künstlerisch anspruchsvolle Neugestaltung. Von Beginn an wurde das Vorhaben seitens der Katholischen Privat-Universität Linz unterstützt: Professor Ewald Volgger, Liturgiewissenschafter an der KU Linz, der im ganzen deutschen Sprachraum Neu- und Umgestaltungen von Kirchenbauten begleitet und Christoph Niemand, Professor für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der KU Linz, waren intensiv daran beteiligt, die inhaltlichen Vorgaben an die Wettbewerbsprojekte zu definieren. Auch sind im Siegerprojekt wichtige Impulse aus der preisgekrönten Dissertation Josef Keplingers, einem Absolventen der KU Linz, umgesetzt, die das Zusammenspiel der vier liturgischen Orte – Leitungsort und Gemeindesitze, Verkündigungsort und Altar – liturgie- und raumtheologisch analysiert.

Der in Umsetzung befindliche Entwurf der Berliner Architekten Kuehn Malvezzi und des Wiener Künstlers Heimo Zobernig beschränkt sich nicht darauf, einzelne aus den 1980er-Jahren stammende Objekte durch andere zu ersetzen. Vielmehr werden die liturgischen Orte insgesamt neu positioniert und zueinander in Beziehung gesetzt. Es gilt dabei, dass die äußere Raumgestaltung die innere Dynamik von Liturgie vorstrukturiert und dadurch den teilnehmenden Mitvollzug aller Feiernden unterstützt. Wie sich dies mit den Ansprüchen, die eine historische und denkmalgeschützte Architektur stellt, angemessen verbinden lässt, wurde im Rahmen des Symposiums an der Katholischen Privat-Universität Linz dargelegt.

Das Werden eines liturgischen Raumes. 

Univ.-Prof. Dr. Christoph Niemand.
Univ.-Prof. Dr. Christoph Niemand. (c) KU Linz/Eder

Professor Christoph Niemand stellte eingangs anhand von historischen Plänen und Fotos das ursprüngliche Konzept für die Innenraumgestaltung des Linzer Mariendoms dar, wie es Dombaumeister Vinzenz Statz in seinem Einreichplan von 1859 vorgesehen und Bischof Franz Joseph Rudigier in Auftrag gegeben hatte. Der Vergleich mit der Innenraumsituation des 1924 fertiggestellten Doms zeigte eine davon stark abweichende Raumgestalt. Nach Überlegungen, wie es zu dieser Differenz kommen konnte, analysierte er die in den 1980er-Jahren erfolgte Umgestaltung, die jene Situation herstellte, die wir bis Juni 2017 kannten. Abschließend skizzierte er den Prozess, der zur Entscheidung führte, die eucharistische Feierzone künftig in der exakten Raummitte, der sogenannten "Vierung", zu positionieren. Fazit: Die ursprüngliche Raumidee von Vinzenz Statz war in den bisherigen Innenraumgestaltungen bisher noch nie umgesetzt worden. Demgegenüber kann man das Konzept, das derzeit verwirklicht wird, als eine zeitgenössischer Interpretation des Statz'schen Konzepts ansehen, die aus dem gegenwärtigen Liturgieverständnis erwächst und die Sprache gegenwärtiger Kunst spricht.

Liturgie bestimmt den Raum.

Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT.
Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT. (c) KU Linz/Eder

Professor Ewald Volgger erinnerte in seinen Ausführungen an die Impulse zur neuen Kirchenraumgestaltung durch das Konzil und die nachfolgenden Dokumente. Dabei wurde die aktive Rolle der gesamten Gemeinde betont und darauf geachtet, dass die erneuerte Liturgie in den Räumen gut umsetzbar ist. Die Liturgie soll den Raum bestimmen und nicht umgekehrt. Er verwies u.a. auf Prälat Johannes Wagner aus Trier, der 1964 von einer prophetischen Vision sprach und den Kirchenraum der Zukunft in seiner Dreipoligkeit beschrieb: Im Raum der Gemeinde soll Leitung, Verkündigung und der Ort für das eucharistische Mahl besondere Beachtung finden. Kommunikation und Gemeinschaft in der gemeinsamen Ausrichtung auf den Auferstandenen hin sind wesentliche Kriterien der Raumgestaltung. Vorbilder im ältesten Kirchbau des 4. und 5. Jahrhunderts unterstrichen seine Ausführungen.

Historische Sakralräume weiterbauen.

Univ.-Prof.in Dr.in Anna Minta.
Univ.-Prof.in Dr.in Anna Minta. (c) KU Linz/Eder

Anna Minta, Professorin für Geschichte und Theorie der Architektur an der KU Linz, stellte am Beispiel aktueller Neugestaltungsprojekte in Berlin und Linz die Positionen der Kirche und der Denkmalpflege vor. Beide Institution verfolgen dabei grundsätzlich gemeinsame Interessen: Historische Bauten gilt es, als Zeugnis von Geschichte und Tradition unseres kulturellen Erbes zu bewahren und zugleich in die lebendige Gegenwart zu integrieren. Beim Linzer Mariendom konnten die Spielräume liturgischer Erneuerung und denkmalpflegerischer Bestandswahrung sensibel verhandelt und die Baumaßnahmen mit großem Respekt vor dem historischen Bau und zugleich selbstbewussten Ausdruck gegenwärtiger Kunst und Liturgie entwickelt werden. In der Berliner Umbauplanung der St. Hedwigs-Kathedrale jedoch prallen die Erhaltungsforderungen der Denkmalpflege und die liturgische Erneuerungswünsche des Erzbistums zunehmend kompromisslos aufeinander. Die Chancen, über das Vermächtnis der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeinsam zu gestalten, schwinden.

Sakralität in Raumkonzepten der Gegenwart 

Dr.in Maximiliane Buchner.
Dr.in Maximiliane Buchner. (c) KU Linz/Eder

Nach einer Verortung der Neugestaltung des Mariendoms im architekturgeschichtlichen Kontext der Moderne sowie nach den gestalterischen Mitteln, mithilfe derer Architekten und Künstler der Gegenwart einem Raum eine sakrale Gestimmtheit zu verleihen suchen, fragte Maximiliane Buchner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt "Heilige Räume in der Moderne" am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, in ihrem Beitrag. Nachdem dem Sakralen weder eine eigene Bauform, noch eine eigene Materialität angehört, zielt das gestalterische Bestreben häufig auf eine sinnlich wahrnehmbare Andersartigkeit des Raumes im Vergleich zu seinem profanen Umfeld hin, so Buchner.

Was der neu gestaltete Raum vorgibt.

Dr. Josef Keplinger.
Dr. Josef Keplinger. (c) KU Linz/Eder

Josef Keplinger, Referent am Liturgiereferat des Pastoralamts der Diözese Linz nimmt abschließend eine liturgietheologische Analyse des Gestaltungskonzeptes vor: "Das Zweite Vatikanische Konzil nimmt im Blick auf die Frühzeit der Kirche Liturgie als ganzheitliche Hineinnahme aller Feiernden in das Geheimnis der Erlösung neu in den Blick. Liturgie vollzieht sich vor diesem Hintergrund immer als gemeinschaftliches Ereignis mit einer bestimmten Rollenverteilung und Ablaufstruktur“, so Keplinger. Die Qualität der Innengestaltung eines Kirchenbaus bemisst sich daran, inwieweit sie dem ganzheitlichen liturgischen Vollzug dienlich ist. Der von Kuehn Malvezzi und Heimo Zobernig gestaltete Raum lässt in gelungener Weise die innere Dynamik der Eucharistiefeier leiblich im Raum erfahrbar werden: Leitungs- und Gemeindesitze, Verkündigungsort und Altar bilden ein Spannungsfeld, in dem die Positionen und Wege, die Gesten und Handlungen der Akteure und der Feiernden den erlebten Mitvollzug aller unterstützen und in ihrer heilsgeschichtlichen Tiefenstruktur enthüllen.

Die Weihe der künftigen liturgischen Orte wird am 8. Dezember 2017, dem Patrozinium des Linzer Mariendoms, gefeiert.

13.10.2017/he

Neuer Raum im Neuen Dom. Symposium zur Umgestaltung des Linzer Mariendoms an der KU Linz.

von li: Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT, Univ.-Prof.in Dr.in Anna Minta, Dr.in Maximiliane Buchner, Univ.-Prof. Dr. Christoph Niemand, Dr. Franz Keplinger.

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