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Migration und Erwerbsarbeit: Sozialpartner zu Gast an der KU.

Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen – Integrationshemmnisse abbauen. Unter diesem Motto stand die Abendveranstaltung zu der die "Sozialplattform Migration" der Katholischen Privat-Universität Linz am 7. Juni 2017 geladen hatte, diesmal unter dem Titel "Migration, Flucht und Erwerbsarbeit. Die Positionen der Arbeiterkammer und der Wirtschaftskammer zur Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern". Am Podium vertreten waren Edeltraud Artner-Papelitzky (Diözese Linz), Johannes Pointner (AK OÖ) und Leonhard Zauner MLS (WKOÖ).

Von li: Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin und Michaela Greil (Sozialplattform Migration der KU Linz), Mag. Johannes Pointner (AK OÖ), Mag. Edeltraud Artner-Papelitzky (Diözese Linz), Leonhard Zauner MLS (WKOÖ), Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß (KU Linz).
Von li: Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin und Michaela Greil (Sozialplattform Migration der KU Linz), Mag. Johannes Pointner (AK OÖ), Mag. Edeltraud Artner-Papelitzky (Diözese Linz), Leonhard Zauner MLS (WKOÖ), Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß (KU Linz).

Mag. Edeltraud Artner-Papelitzky, Leiterin des Bereichs "mensch und arbeit" der Diözese Linz, skizzierte die Bedeutung der Erwerbsarbeit in ihren unterschiedlichen Dimensionen und in ihrer Ambivalenz. Erwerbsarbeit sei in unseren marktwirtschaftlich geprägten Gesellschaften sowohl Tatsache als auch Notwendigkeit, bedeute darüber hinaus aber auch Erfüllung und könne zur Selbstverwirklichung beitragen – sofern es eben eine Arbeit ist, die nicht durch die Arbeitsbedingungen und etwa durch zu niedrigen Lohn diese Möglichkeit der Selbstverwirklichung konterkariert.

Mag. Johannes Pointner, Leiter der Abteilung Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik der AK OÖ, verwies auf die kontinuierliche Zunahme des Arbeitskräftepotentials in OÖ, bedingt vor allem durch die Anhebung des Pensionsalters, der steigenden Frauenerwerbstätigkeit und der Zuwanderung. Hinsichtlich der Situation von Migrant/innen äußerte Pointner den Wunsch einer deutlich offensiveren politischen Integrationspolitik, die er für Österreich auch als absolut leistbar erachtet. Dazu gehörten neben der Anerkennung der Integration als gesamtgesellschaftlichem Prozess und der Ermöglichung der Teilhabe von Migrant/innen an der Gesellschaft durch Erwerbsarbeit auch ein ausreichender Zugang zu Deutschkursen, ein höherer budgetärer Ressourceneinsatz (vor allem hinsichtlich der medizinischen Versorgung und der psychosozialen Beratungsstellen), frühere Erfassung von Kompetenzen und Qualifikationen (bereits parallel zum Asylverfahren), Ausweitung der Bildungsgarantie bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres auf Asylwerber/innen sowie vermehrt Angebote im Bereich der Qualifizierung auf dem zweiten Bildungsweg.

Leonhard Zauner MLS, Referent der Abteilung Sozial- und Rechtspolitik der WKOÖ, schloss sich für die Wirtschaftskammer der Position der Arbeiterkammer in vielen Punkten an. Die möglichst frühe Erfassung von Kompetenzen sowie die entsprechende weitere Qualifizierung habe eine Schlüsselfunktion für die Integration von Migrant/innen. So fordert Zauner von der Politik, dass Asylwerber/innen bereits nach sechs Monaten im Asylwerber-Status Zugang zum Erwerbsarbeitsmarkt erhalten. Zudem sollten Asylwerber/innen schon ab Beginn des Asylverfahrens zugesprochen bekommen, ein Praktikum, ein Volontariat oder eine andere zeitlich begrenzte Arbeit (z. B. als Saisonier) absolvieren zu dürfen, damit Kompetenzen und Qualifikationen nicht sinnlos verloren gehen, sondern Integration und Arbeitserprobung bereits hier beginnen können. Zauner wies in diesem Zusammenhang auch auf das gemeinsame Bemühen der Sozialpartner hin, Kontingente für derartige Anstellungen (z. B. Saisoniers in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Gastgewerbe und Hotellerie sowie Lehrstellen in Mangelberufen) zu schaffen. Zauner beschloss seine Ausführungen – mit Blick auf den Eingangsvortrag von Artner-Papelitzky – mit dem Statement, dass für den Großteil der Migrant/innen gegenüber Arbeit keinerlei Abneigung besteht, sondern, ganz im Gegenteil, Arbeit für sie Selbsterhaltung, Erfüllung und Sinnstiftung bedeutet.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde betont, dass der demographische Wandel (vor allem die „Pensionierungs-Welle“ der „Babyboomer-Generation“) sowie der weitere Verlust von Arbeitsplätzen durch zunehmende Technologisierung die zukünftigen zentralen Herausforderungen des Erwerbsarbeitsmarktes darstellen – Probleme also, die unabhängig von Migrant/innen existieren und zu denen diese sogar eine Lösung anbieten könnten. „Training on the job“ (mit berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen), „Catching-up-Prozesse“ sowie Arbeitszeitreduzierung bzw. Arbeitsteilung könnten dahingehende mögliche Lösungsansätze bieten. Vor allem das Thema Arbeitszeitreduzierung wird aktuell noch sehr vernachlässigt diskutiert, obwohl diese de facto bereits tagtäglich geschieht durch finanzierte Arbeitslose. Freilich traten hier auch unterschiedliche Auffassungen der Sozialpartner zu Tage.

Abgesehen davon aber zeigte sich, dass es gerade zum Thema Integration in die Erwerbsarbeit erhebliche Übereinstimmungen zwischen den Sozialpartnern gibt. Dass es etwa nicht gelingt, verfügbares Arbeitskräftepotential tatsächlich in die Erwerbsarbeit zu überführen, liege auch an einem Mobilitätsproblem, etwa an der fehlenden Finanzierung der Fahrten von der Asylunterkunft zum Arbeitsplatz, so die Podiumsteilnehmer unisono. Eine solche Finanzierung sei leicht zu leisten, sei aber politisch offenbar nicht umsetzbar. Ähnliches gelte für eine Beschäftigung von Asylwerbern ab dem sechsten Monat des Asylverfahrens. Insgesamt zeigte sich bei dieser Veranstaltung eine äußerst vitale Sozialpartnerschaft, die in keiner Weise – wie bisweilen unterstellt – lähmend auf die österreichische Politik wirkt. Nach diesem Abend jedenfalls würde man sich eher mehr Einfluss der Sozialpartner auf die Politik wünschen als weniger.

12.6.2017/CS/steni/he

Von li: Mag. Johannes Pointner (Leiter der Abteilung Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik der AK OÖ), Mag. Edeltraud Artner-Papelitzky (Leiterin des Bereichs "mensch und arbeit" der Diözese Linz), Leonhard Zauner MLS (Referent der Abteilung Sozial- und Rechtspolitik der WKOÖ).

Diskussionsveranstaltung der Sozialplattform Migration: Die Postionen der Arbeiterkammer und der Wirtschaftskammer zur Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern.

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