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Innenraum im Linzer Mariendom wird neu gestaltet.

Lange haben die Vorbereitungsarbeiten gedauert, nun steht das Projekt vor der Realisierung: Nach einem Entwurf der Berliner Architekten KUEHN MALVEZZI und des Wiener Künstlers Heimo Zobernig wird der Innenraum des Linzer Mariendoms neu gestaltet. Beginn der Arbeiten ist Mitte Juni, am 8. Dezember 2017 findet die feierliche Altarweihe statt. P. Ewald Volgger OT, Professor für Liturgiewissenschaften und Sakramententheologie an der KU Linz, war Mitglied der Jury des Architektur- und Kunstwettbewerbs und hat das Vorhaben seit seinen Anfängen begleitet.

Der Innenraum des Linzer Mariendoms wartet bereits seit 1924 auf eine Gestaltung, die seiner mächtigen Architektur gerecht wird. Im Jahr 2009 wurde schließlich damit begonnen, die Neugestaltung zu erarbeiten.

In einem Architektur- und Kunstwettbewerb wurde das Projekt der Berliner Architekten KUEHN MALVEZZI und des Wiener Künstlers Heimo Zobernig von einer Jury einstimmig ausgewählt. Im heurigen Juni können nun die konkreten Umbauarbeiten in der flächenmäßig größten Kirche Österreichs beginnen.

Bei der Pressekonferenz am 25. April 2017 in der Rudigierhalle des Linzer Mariendoms standen als Gesprächspartner Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer, der Künstler Heimo Zobernig, Dombaumeister Architekt DI Wolfgang Schaffer, Liturgiewissenschaftler Univ.-Prof. Dr. P. Ewald Volgger OT und Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser den JournalistInnen Rede und Antwort.

„In dieser Architektur ist etwas, das Menschen berührt“

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer meinte eingangs in seinem Statement, Dome schienen einerseits nicht modern zu sein, seien andererseits aber durchaus aktuell, wenn man bedenke, dass Funktionsbauten als Dome, Tempel oder Kathedralen bezeichnet würden. So gebe es einen „Aquadome“, eine „Kathedrale des Nahverkehrs“, Sportpaläste oder Geldtempel. Diese religiösen Anleihen zeigten, dass „in dieser Architektur etwas ist, das Menschen berührt“, so Scheuer. Kirchenbauten seien Gestalt gewordener Glaube vergangener Generationen und Sprache des Glaubens. Jede Generation habe die Sprache des Glaubens übernommen und auch selbst etwas dazu beigetragen, dass das Christentum lebendig bleibe. Scheuer wörtlich: „Die neue Innenraumgestaltung des Mariendoms steht für die Überzeugung, dass das Evangelium eine Gegenwart und eine Zukunft hat. Die Neugestaltung ist ein starkes Zeichen dafür, dass das Evangelium lebt – sicher anders als in vergangenen Jahrhunderten, aber doch so, dass wir auch junge Generationen damit erreichen.“

Der Diözesanbischof dankte allen, die das Projekt initiiert hatten. Er selbst sei ja „Späteinsteiger“ gewesen, so Scheuer augenzwinkernd. Ihm sei wichtig gewesen, in den ersten Wochen nach seiner Amtsübernahme kritische Einwände nochmals zu hören und zu diskutieren – und plausibel zu machen, dass die Neugestaltung Sinn mache und von den Menschen gut angenommen werde. Kommunikation und Dialog sei auch der Sinn einer Kirche – Kommunikation zwischen Gott und den Menschen, aber auch Kommunikation der Menschen untereinander, so Scheuer.

Der Bischof nannte im Zusammenhang mit der Innenraumneugestaltung auch ein geplantes Projekt im Irak zum Wiederaufbau von zerstörten Kirchen, das die Diözese Linz unterstützen möchte. Bischof Scheuer hatte im Februar 2017 mit einer österreichischen Delegation eine Solidaritätsreise in den Irak unternommen und dort erlebt, dass Kirchen in den zerstörten Gebieten Zeichen der Hoffnung und des Trostes sind. „Der Blick für das andere soll durch das Eigene nicht getrübt werden“, betonte Scheuer. Beides sei wichtig – die neue Innenraumgestaltung im Mariendom und die Unterstützung für den Wiederaufbau im Irak, denn: „Kirchen sind Freiräume, Schutzräume, Schönräume und Räume der Hoffnung.“

Von li: Künstler Heimo Zobernig, Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer.
Von li: Künstler Heimo Zobernig, Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer.

Vertrauen in die Wirkung der Materialität

Heimo Zobernig, der als Künstler im Team mit den Berliner Architekten KUEHN MALVEZZI beim Architektur- und Kunstwettbewerb das Siegerprojekt entworfen hatte, verwies auf die "integrative Zusammenarbeit" zwischen Kunst und Architektur in diesem besonderen Projekt. "Eine solche Aufgabe fällt einem wohl nur einmal in einer Künstlerkarriere zu", zeigte sich Zobernig begeistert und dankbar. Sein Gespür, auf den kirchlichen Raum einzugehen, sieht er seiner familiären Herkunft geschuldet: Sein Vater hat ihm den Kirchenraum der Dorfkirche in seinem Heimatort nahegebracht. "In Kirchen drückt sich etwas aus – und in der Kirchenarchitektur ist durch ihre besonderen Dimensionen von Raum etwas möglich, was in der funktionalen Architektur nur beschränkt möglich ist.", so der Künstler. Der Raumeindruck von Kirchen habe ihn seit Beginn des Studiums begleitet, besonders die niederländischen Kirchenmaler, die gotische Kirchen als offene Räume zeigten. "Die Stimmung dieser Bilder habe ich im Kirchenraum des Mariendoms wiedergefunden – das war ein zentrales Element für die Gestaltung", erzählte Zobernig. Durch die Platzierung des Altarraums in der Vierung wird der Raum offengehalten.

Wichtig sei ihm und den Architekten bei ihrer Planung gewesen, die vorhandene Materialität aufzugreifen: „Der Klarheit und dem Purismus des neugotischen Mariendoms wollten wir nicht ein weiteres Element beifügen. Wir haben vielmehr auf die Wirkung der Materialität vertraut“, so Zobernig. Bei der Neugestaltung auch des Altarbereichs werden die im Dom vorhandenen Materialien Stein, Bronze und Holz aufgegriffen; die Formgebung ist zeitlos, offen und in aktueller künstlerischer Formensprache gehalten.

Herausfordernder Zeitplan

Dombaumeister Architekt DI Wolfgang Schaffer zeigte sich begeistert vom Siegerprojekt von KUEHN MALVEZZI und Zobernig, für das sich die Jury in einem geladenen Wettbewerb einstimmig ausgesprochen hatte. Es spreche für die Qualität des Entwurfs, dass der Urentwurf nun faktisch eins zu eins umgesetzt werde, so Schaffer. Schaffer erläuterte den Zeitplan des Projekts und nahm einige Herausforderungen in den Blick. Die Vorbereitungsarbeiten beginnen ab 19. Juni mit dem Abbau des Volksaltars, des historischen Chorgestühls (das danach restauriert und an seinen ursprünglichen Platz vor dem Presbyterium gebracht wird), der Kirchenbänke im Altarbereich bis zum Ende des Langschiffs, dem Ab- und Umbau der historischen Kanzel (die wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkommen soll) und dem Abbau der Pflüger-Orgel (Chor-Orgel). Anfang Juli bis etwa Mitte August werden die ersten Umbauarbeiten umgesetzt (neues Altarpodest, Pflasterabbau, neuer Unterbeton im Bereich der Fußbodenheizung, Rohelektroinstallation). Im Dom wird ein Zelt mit Staubabsaugung installiert. Im August bis etwa Anfang September wird der neue Altarbereich gestaltet: Altar, Ambo, Kathedra (Bischofssitz) und Sedes (Priestersitz) werden geliefert und das Pflaster neu verlegt. Ende September wird die Chororgel gereinigt, versetzt und neu intoniert (etwa 5 Wochen). Ab November werden die Kirchenbänke wieder aufgebaut und der Probebetrieb gestartet. Am 8. Dezember findet dann die feierliche Altarweihe statt.

Chor und Orchester werden hinter Kathedra und Priestersitz verortet sein und so wesentlicher Teil der Feiergemeinde sein; auch die akustischen Verhältnisse werden dadurch wesentlich verbessert. Auch ein neues Beleuchtungskonzept wird umgesetzt. Die neue Infrarot-Heizung ist ökologisch und kostensparend und wird die Thermik stark reduzieren.

Die Kosten, die sich auf ca. 1,2 Mio. Euro belaufen, werden Schaffer zufolge von der Diözesanfinanzkammer, der Dompfarre, der Bischof-Rudigier-Stiftung und dem Domkapitel mit Unterstützung durch die Stadt Linz und das Land Oberösterreich getragen. Als "Kunstbaustein" für SpenderInnen hat Künstler Heimo Zobernig einen Kredenzleuchter in Bronze in kleiner Edition gestaltet. 

Von li: Dombaumeister Architekt DI Wolfgang Schaffer, Künstler Heimo Zobernig, Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser, Bischof Dr. Manfred Scheuer und Liturgiewissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT.
Von li: Dombaumeister Architekt DI Wolfgang Schaffer, Künstler Heimo Zobernig, Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser, Bischof Dr. Manfred Scheuer und Liturgiewissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT.

Feiergemeinschaft wird sichtbar gemacht

Der Liturgiewissenschaftler Univ.-Prof. Dr. P. Ewald Volgger OT, der Mitglied der Jury des 
Architektur- und Kunstwettbewerbs zur Neugestaltung des Innenraums im Linzer Mariendom gewesen war und das Projekt seit seinen Anfängen begleitet hatte, betonte, der Dom als Bischofskirche sei sozusagen das „Haupthaus“ der Diözese Linz mit entsprechendem Vorbildcharakter – auch in der Frage, wie sich eine Neugestaltung des Kircheninnenraums darstellen soll. Den liturgischen Normen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil muss dabei Rechnung getragen werden. Die Herausforderung dabei sei ein gutes Neben- und Miteinander von altem Kirchenraum und nachkonziliarer, neuer Liturgie, so Volgger. „Hausherren“ seien neben dem Bischof auch das Domkapitel und die Dompfarre – in diesem Miteinander musste um eine gute Lösung gerungen werden. Liturgiewissenschaftler Volgger wörtlich: „Nicht der Raum bestimmt die Liturgie, sondern die Liturgiebücher müssen befragt werden, wie die Liturgie stattzufinden hat – daraus ergibt sich, wie der Raum gestaltet wird.“ Der Dom als großer Raum habe gegenüber kleineren Pfarrkirchen den Vorteil, „Vielraum“ zu sein, und biete damit viele Räume für unterschiedliche liturgische Vollzüge.

Bereits in den 1980er Jahren habe der Liturgiewissenschaftler Prof. Hans Hollerweger für den Mariendom einen konsequenten Communio-Raum gefordert, der nun umgesetzt werde. Die Feiergemeinschaft werde sichtbar gemacht und versammle sich um den Altar („Tisch des Brotes“), den Ambo („Tisch des Wortes“) und um Kathedra und Priestersitz – und das auf einer Ebene, die den ganzen Raum durchzieht, so Volgger. Denn nicht nur der Altarraum sei liturgischer Raum, sondern die ganze Kirche. Volgger wörtlich: „Es entsteht ein dynamischer Raum, der einer dynamischen Feiergemeinde ihre Verortung gibt.“

Minimaler Eingriff in den Raum mit maximalem Effekt

Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser erinnerte sich zurück, dass er bereits 2006 in einem Pfarrbrief für eine Neugestaltung des Altarraums plädiert habe. Er freue sich, dass die konkrete Umsetzung nun bevorstehe, so Strasser. Die Dompfarre sei eine lebendige Pfarrgemeinde mit sehr unterschiedlichen Feiergruppen. Es sei wichtig, in Hinkunft Liturgie so zu gestalten, dass sie in den neuen Raum hineinpasse. Der Dompfarrer zeigte sich erfreut darüber, dass der Baldachinaltar (Hochaltar) durch die Neugestaltung wieder zum Feierraum wird. Strasser: „Er wird transparent, der schöne Marmorboden wird freigelegt und der Blick auf das wunderschöne Mosaik des Hochaltars ist wieder frei. Dieser Raum wird zukünftig für Meditationen oder Gruppengottesdienste genutzt werden können.“ Ebenso erfreulich sei, dass „durch einen minimalen Eingriff in den Raum ein maximaler Effekt erzielt wird“ – dies sei ein Zeichen für gute Architekten und einen guten Künstler, lobte Strasser.

Die Dompfarre wird ihre Gottesdienste nach Fronleichnam (ab Sonntag, 18. Juni) bis vor dem 8. Dezember in der Kirche der Kreuzschwestern feiern. Er sei sehr dankbar für diese Gastfreundschaft, so Strasser.

Text und Bilder: Diözese Linz
Visualisierungen Innenraum: KUEHN MALVEZZI_Visualisierung Davide Abbonacci

Neugestaltung Innenraum im Linzer Mariendom, KUEHN MALVEZZI. Bild 1.

Neugestaltung Innenraum im Linzer Mariendom, KUEHN MALVEZZI. Bild 2.

Von li: Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser, Bischof Dr. Manfred Scheuer, Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT, Künstler Heimo Zobernig, Dombaumeister Arch. DI Wolfgang Schaffer.

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