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Lebensgestalt des Diözesanpriesters heute. Schwierigkeiten, Lösungsansätze und priesterliche Lebenskultur in Gesellschaft, Kirche und als Mensch


In den letzten 15 Jahren sind die Zahlen der Priesteramtskandidaten nochmals drastisch zurückgegangen. Zugleich hat sich die Zahl jener Priester wieder deutlich erhöht, die ihren Dienst vorzeitig aufgeben und aus dem Amt ausscheiden. Dass hier die Zölibatspflicht eine Rolle spielt, liegt auf der Hand. Sie allerdings für den Attraktivitätsverlust des Priesterberufs sowie die wachsende Unzufriedenheit der Priester insgesamt verantwortlich zu machen, wäre weit zu kurz gegriffen. Hier muss vielmehr sehr ernst genommen werden, dass es momentan kein klares Leitbild, keine offizielle Gestalt (diözesan-) priesterlichen Lebens gibt, die die Kirche in Mitteleuropa als gut lebbar darstellt und für die die Diözesanleitungen die nötige Unterstützung und Infrastruktur zur Verfügung stellen.
Ist es z.B. noch sinnvoll und möglich, dass ein Priester eine Haushälterin findet, die voll und ganz für diesen Dienst da ist, die um dieses Dienstes willen im Pfarrhof lebt und ehelos bleibt? Wenn aber nicht, wie soll dann der Pfarrhof versorgt und zu einem Ort der Gemeinschaft und Beheimatung gemacht werden? Und welche baulichen und personalplanerischen Maßnahmen werden dafür getätigt, etwa wenn das Leitbild einer vita communis mehrerer Priester eine Zukunftsoption sein soll? Oder: Ist es heute noch sinnvoll, dass Priester vorzugsweise in kirchlichen Häusern ihren Urlaub verbringen? Wenn aber nicht, wie sieht dann ein Leitbild priesterlicher Urlaubsgestaltung aus (angesichts der Tatsache, dass nicht wenige Priester bewusst unerkannt in Reisegruppen verreisen, durchaus ein Thema!). Das sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie wenig den Kirchenleitungen und den Verantwortlichen der Priesterausbildung heute ein klares Bild der priesterlichen Lebensgestalt vor Augen steht. Gerade diese Unklarheiten spüren aber viele junge Menschen und werden dadurch vom Priesterberuf abgeschreckt. Die Frage dieser Diplomarbeit, wie eine priesterliche Lebensgestalt aussehen könnte, die dem Diözesanpriester gut tut und ihm ein erfülltes Leben ermöglicht, ist von daher eine gewichtige und drängende Frage.

Diplomarbeit von Markus Luger, 2007


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