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Praktische Philosophie / Ethik: Lehrveranstaltungen SS 2017

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: „Spezielle Probleme und aktuelle Herausforderungen der
philosophischen Anthropologie“

Die Vorlesung widmet sich anthropologischen Ansätzen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts
(Positionen)  und diskutiert Konzepte, die für eine zeitgenössische anthropologische Reflexion
relevant werden (Konkretionen).

Nach einem Rückblick auf die Einführungsvorlesung des WS 2016/2017 werden Ansätze
vorgestellt, die teilweise in deutlicher Absetzung von der klassischen Anthropologie des
20. Jahrhunderts entwickelt wurden. Hatte diese klassische Anthropologie vornehmlich im deutschsprachigen Raum stattgefunden (Scheler, Plessner, Gehlen), so will die Vorlesung des
aktuellen Sommersemesters Tendenzen aus der französischen Philosophie (Maurice Merleau-Ponty, Michel Foucault) ebenso berücksichtigen, wie einschlägige Debatten aus der vorwiegend englischsprachigen analytischen Philosophie, ebenso wie anthropologie-relevante Überlegungen
aus der politischen Philosophie (Hannah Arendt) und der Ethnologie (Claude Lévi-Strauss).

Unter dem Stichwort Konkretionen werden Debatten vorgestellt, die Bedingungen des Mensch-Seins in unserer durch Wissenschaft und Technik veränderten Welt thematisieren und die zugleich mit praktisch-normativen Herausforderungen verbunden sind (Kooperation, Gesundheit, Anthropotechnik, Altern, Umwelt).

Leistungsbeurteilung: mündliche Prüfung

Beginn: Mittwoch, 1. März 2017, 10.00 – 12.00 Uhr, HS 1

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: „Ausgewählte Themen der Philosophie: Kommunitarismus“

Seit Ende der 1970-er Jahre sind in der politischen Philosophie Nordamerikas Ansätze entwickelt worden, die die Bedeutung von Gemeinschaften für das gelingende Leben der Einzelnen und für die demokratische Gesellschaft als ganze reflektieren und hervorheben. Als „Kommunitarismus“ werden sie dem „Liberalismus“ gegenübergestellt. Michael Sandels Frage nach den Grenzen der Gerechtigkeit, Michael Walzers Rede über Sphären der Gerechtigkeit und Charles Taylors Suche nach den Quellen des Selbst und seine Rede von der negativen Freiheit nutzen unterschiedliche philosophiehistorische Ressourcen und verfolgen mehrere Stoßrichtungen. Gegen eine Verstaatlichung der Solidarität und einen überzogenen Individualismus reflektieren sie die Möglichkeiten, unter den Bedingungen des modernen Pluralismus eine Atomisierung der Gesellschaft in Einzelinteressen und den Verlust sozialer Bindungen zu verhindern.

Das Seminar wird Texte der wichtigsten Autoren des Kommunitarismus eingehend behandeln. Den Abschluss bildet eine vergleichende Auseinandersetzung mit dem Entwurf einer „Ethik des Ethos“, die der Bonner Philosoph Wolfgang Kluxen vorgelegt hat. Ein Konvolut der Basistexte wird zu
Semesterbeginn vorgelegt.

Leistungsbeurteilung: Kurzreferat und schriftliche Hausarbeit

Beginn: Dienstag, 7. März 2017, 14.00 – 16.00 Uhr, SE 2

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
VL+L: „Hegels Rechtsphilosophie II“

Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ gehören zu den umfassendsten Darstellungen der praktischen Philosophie. Im Ausgang vom Begriff der Freiheit werden jene Formen entwickelt, in denen Freiheit sich objektiviert – beginnend von der Freiheit, die sich als Person im Eigentums-
verhältnis zunächst über die Sache her versteht („abstrakte Recht“), über die Freiheit, des moralischen Subjekts, das das Recht in die Innerlichkeit aufgenommen hat und sich in den Gegensatz zu einer äußeren Welt („Moralität“) setzt, bis hin zur Gestaltung einer äußeren Welt, in der sich Freiheit selbst entgegenkommt („Sittlichkeit“).

Im WS 16/17 wurden die grundlegende Einleitung sowie der der erste Teil der Rechtsphilosophie, das abstrakte Recht, betrachtet. Im SS 17 werden der zweite und dritte Teil, die Moralität und die Sittlichkeit, behandelt.

Die Vorlesung kann unabhängig von der VL vom WS 16/17 besucht werden, da am Anfang eine überblickshafte Wiederholung gegeben werden wird.

Literatur: Da wir am Text entlanggehen wird die Anschaffung einer Ausgabe des Primärtextes empfohlen, etwa: G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaften im Grundrisse. Mit Hegels eigenhändigen Notizen und den mündlichen Zusätzen, auf der Grundlage der Werke von 1832-45 neu edierte Ausgabe, Redaktion E. Moldenhauer u. K.M. Michel, Werke 7, 14. Aufl., Frankfurt am Main 2015. Sekundärliteratur wird in der VL genannt.

Leistungsbeurteilung: mündliche Prüfung

Beginn: Montag, 6. März 2017, 10.00 – 12.00 Uhr, HS 2

 

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
SE: „Ethik in der Gesellschaft: Theorien, Funktionen, Kritik."

Der Ethik kommt in der gegenwärtigen Gesellschaft wachsende Bedeutung zu. In ganz verschiedenen Teilbereichen der Gesellschaft wird Ethik zum Thema: In moralischem Fehlverhalten in der Politik, in wissenschaftlichen Plagiaten und Forschungsskandalen, in medizinischen Ethikkonzilen, bioethischen Ethikräten und moralischen Selbstver-
pflichtungen (z.B.: „Corporate Social Responsibility“) in der Wirtschaft. Konkrete Beispiele umfassen unter anderem die Empfehlung der Energiewende in Deutschland durch eine Ethik-Kommission, Stellungnahmen von nationalen Bioethikkommissionen zur Regulierung medizinischer Eingriffe und Forschungsentscheidungen durch Ethikkommissionen. Allgemein ist im öffentlichen und politischen Diskurs eine "Moralisierung" festzustellen, und es kann von einer „Ethisierung von Technikkonflikten“ (Bogner) gesprochen werden.

Dieses Seminar diskutiert kritisch die Rolle der Ethik in der Gesellschaft anhand von Texten in den drei Anwendungsfeldern: Politik, Medizin und Öffentlichkeit. Dabei wird folgenden Fragen nachgegangen: Was führt zu diesem erhöhten gesellschaftlichen Bedarf an Ethik? Welche Funktion übernimmt die Ethik in den jeweiligen gesellschaftlichen Teilbereichen? Welche Kritik schließt sich an diese gesteigerte Bedeutung der Ethik in der Gesellschaft an?

Leistungsbeurteilung: Um das Seminar erfolgreich abzuschließen ist neben regelmäßiger Teilnahme die Übernahme eines Referats zu einem der Texte und die Abfassung einer Seminararbeit
notwendig.

Beginn: Montag, 6. März 2017, 14.00 – 16.00 Uhr, HS 4 

Lehrveranstaltungen WS 16/17

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