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17. November Tag der Forschung Hochschule der Künste Zürich

Aloisia Moser

„Blind Spots“ war der Titel des diesjährigen Tags der Forschung und neben der Vorstellung verschiedenster künstlerischer Forschungsprojekte ging es um Forschungsbegriffe und die Frage der Partizipation und Demokratisierung der Forschung und Kunst.

Am Vormittag war im Aktionsraum ein Rundgang durch 20 Projekte in einer dichten Ausstellung. Im Zentrum des Raums hing eine elektrische und quasi-tierische Pflanze, kurzum Materie die Reaktionen zeigt. Wie ein Tier in den Tiefen der See bewegten sich die Tentakel des Geräts auf Bewegung im Umkreis. Eine andere Arbeit, eine Videoinstallation zeigte von Tretminen verletze Menschen in Angola, die bestimmte Tänze trotz ihrer Behinderungen aufführen. Es handelte sich um eine ethnographische Studie zum Thema Identität. Außerdem fiel einem vor dem Aktionsraum das Tree Lab auf, eine Arbeit, die Föhren in den Alpen aufnimmt, nämlich deren Geräusche, die aufgrund von Wassermangel im Zuge der globalen Erwärmung entstehen. Das Klicken der Bäume, ein Geräusch das in den Fasern als Antwort auf den Wassermangen entsteht, durchzuckte kontinuierlich den (Vor-)raum.

Der Nachmittag begann im Kunstraum, der recht kommod auch mit Sofas und Matratzen ausgestattet war mit Kurzreferaten von Alex Artiaga (Berlin/Barcelona/Helsinki), Miriam Schaub (Halle) und Thomas Eberle (St. Gallen). Schaub setzte gekonnt die Demarkationen zwischen Gedankenexperimenten in der Philosophie schon bei Lukrez, Leibniz und Lichtenberg von einer naturwisssenschaftlicheren Paradigma- und Methodenbildung ab, wodurch sie gleichzeitig den opaken Kern der Naturwissenschaften zeigte und mit Hegel nachlegte: „Man kann die Methode nicht nachträglich vom Ergebnis abziehen.“ Alex Arteaga klagte die Bedeutung der Kognition in der ästhetischen Forschung ein und stellte die Überlegungen der verkörperten und situierten Kognition im Enaktivismus vor. Die Frage hier: wo findet die ästhetische Forschung statt? Als Intervention, die das Sehen-dass stört, im präperzeptuellen? Er versteht die künstlerische Forschung als Finden und Erfinden von Lösungen. Eberle wiederum besprach den hermeneutischen Zugang und die Methoden der Sozialwissenschaften und betonte speziell die Hinwendung zum Alltäglichen und die Erschütterung der Alltagsroutine, die man speziell in der soziologischen Ethnographie finden kann. Hier brachte Eberle DAS Beispiel des blinden Flecks. Ein Ethnograph zitiert das Beispiel dass man Ethnographen vorschlug einmal nach Hause zu gehen und sich so zu verhalten wie ein Gast. Hier drängte sich der Autorin die Frage auf, was passiert, wenn es eine weibliche Ethnographin die das tut?

Die Frage ist natürlich immer jene wie die Welt abseits davon, dass sie sich gibt  und zeigt ist. In der Wahrnehmung haben wir immer schon Wahrnehmungsurteile die auf die Wahrnehmung rückkoppeln Es gibt Perzepte und Konzepte. Und es gibt das „So habe ich Es nicht gesehen“. Dabei ist sowohl das So als auch das Es fraglich.Der Abend war einem Forschungsslam gewidmet, der gekonnt von zwei Performern moderiert wurde und von einem Gongschlag begleitet war. Die Forschenden hatten exakt 9 Minuten Zeit ihre Projekt vorzustellen. Die Projekte reichten von einer Nachzeichnung der Schuhausstellung von Bally im Jahre 1938 zum Actor and Avatar Projekt, das das Gesicht als Maske thematisiert bis zur Frage warum wir auf Film emotionaler reagieren als auf digitale Techniken, was mit dem Schwarzbild, das zwischen die Bilder eingeschoben werden musste zu tun hat. Dies gibt wohl dem Gehirn mehr Zeit zu reagieren.

Dieter Mersch eröffnete und beschloss die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass die künstlerische Forschung im Wesentlichen eine Offenheit erzeugt, in der Fragen nach dem Denken in verschiedenen Medien gestellt werden. Die Forschung, die sich im Wesentlichen im Sprachlichen vollzieht soll durch das Forschen in anderen Medien komplementiert werden.

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