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Kunst und Denken. Vortrag von Dieter Mersch am 25.1.18

Die Frage „Wie denkt Kunst?“ die Dieter Mersch in seinem Vortrag am Donnerstag stellte ließ das Publikum den Atem anhalten, es war so leise im Raum, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Mersch stellte nicht etwa die Frage wie die Philosophie die Kunst denkt, sondern wie die Kunst denkt. Und weiter - was die Künste wissen können. Mersch begann genauer anzusehen wie etwa ein Kunstwerk argumentiert. Wichtig ist hier, dass nicht die Künstlerin, sondern das Kunstwerk eine Hypothese stellt. Dies bringt die ästhetische Dimension des Denkens in den Vordergrund, denn im Medium der Kunst werden Gedanken verkörpert, die sich anders nicht ausdrücken lassen. Ähnlich dachte Adorno seine urteilslose Synthese, ein Verbindendes, das aber gleichzeitig der Unterschied ist. Mersch besteht auf Differenzen und Kontrasten, die die Kunst als verbundene Singularia ist. Er spricht von Rissen und Sprüngen, zuletzt von reflexiven Sprüngen. Diese sind Trennung und Verbindung in einem. Wenn wir von einem Nebeneinander der Elemente sprechen dann gibt es in der Verknüpfung eine nicht auflösbare Spannung. Das Zusammenstellen stellt unterschiedliches zusammen, aber die Heterogenität bleibt erhalten. Es entsteht kein symbolon, sondern eher ein diabolon, eine Streuung. Es geht um die Vermehrung von Differenzen. Und doch wird in der Kunst nicht einfach beliebig zusammengestellt. 

Künstlerische Produktionen können laut Mersch nicht vom Zeichen her gedacht werden, sondern in der Konstellation, sie sind Verknüpfungsarten oder Formen. Auch geht es nicht um Darstellung. Künstlerisches oder ästhetisches Denken vollzieht sich nicht im „etwas ist etwas“ oder „etwas als etwas.“ Es geht um die Formen von Assoziationen, die nicht auf eine Logik reduziert werden dürfen. In diesem Sinne stiftet Kunst Erkenntnis

 

 

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