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Raumkult – Kultraum. 15. bis 17. März 2018

Architektur und Ausstattung in posttraditionalen Gemeinschaften. Internationale Tagung, veranstaltet vom Institut für Geschichte und Theorie der Architektur

VORANKÜNDIGUNG / CALL FOR PAPERS

Mit dem "spatial turn" steht seit den 1990er Jahren der Raum ins Zentrum kunst- und kulturwissenschaftlicher Betrachtungen. Realer und imaginierter Raum sind Gegenstand ästhetischer, politischer und soziokultureller Analysen. Über das Faktum von Architektur als raumschaffende Hülle hinausgehend wird Raum als Ergebnis sozialer Beziehungen und Handlungen definiert. Selbst nicht sichtbar, wird er in der relationalen Anordnung von Menschen und Objekten wahrnehmbar. Neue Bedeutungszuschreibungen führen zur Aufwertung der Raumgestaltung in Entwurfsprozessen und zur Formulierung neuer Theorien über performative, immersive, atmosphärische und kodierte Architekturen und Raumschöpfungen.

Auf der Tagung sollen Konzepte, Praktiken, Prozesse, Akteure, Wirkungsmuster etc. solcher Zuschreibungen von Qualitäten und Bedeutungen diskutiert werden. Kann man in diesem Zusammenhang von Raumkult sprechen? Und was passiert, wenn Raumkult auf den Kultraum trifft?

Bildete die Institution Kirche jahrhundertelang die Projektionsfläche von Gemeinschaft und etablierte mit Sakralbauten identitätsstiftende Orte als architektonische Manifestationen im Stadtraum, so änderte sich das Verständnis von Religion und Sakralraum in der Moderne seit 1800. Als Konsequenz aus soziopolitischen Modernisierungsdynamiken gewinnen in der postsäkularen Gesellschaft Kategorien wie Kultur, Nation, Politik, Geschichte, Sport und Geld etc. neu an auratischer Strahlkraft und schaffen, in Einklang oder Konkurrenz zu Religion, neue soziale Ordnungsstrukturen. Neue Konzepte der Vergemeinschaftung, die häufig religiöse Referenzsysteme inkorporieren, entwickeln heute in posttraditionalen Gesellschaften neue identitäts- und sinnstiftende Räume. Die Tagung will religiös respektive auratische Raumkonzepte sowohl bestehender Sakraltopografien als auch neukonstituierter Kulträume in ihren ideologischen Konzeptionen im 20. und 21. Jahrhundert diskutieren.

Aktuelle Diskussionen über Umnutzungen von Kirchen machen ebenso wie die Schaffung multireligiöser Räume deutlich, dass das Verständnis vom tradierten Kultraum als Manifestation von Transzendenz- und Gemeinschaftsvorstellungen im Umbruch begriffen ist. Die zentrale Fragestellung der Tagung aus kunsthistorischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive ist folglich, welche Raumkonzepte des „Außer-Alltäglichen“ entstehen und inwieweit ideologische wie künstlerische Strategien das Bauschaffen und die Raumausstattung prägen.

Zur Diskussion stehen folgende Fragen: Welche architektonisch-räumliche Konkretion erfahren neue Vergemeinschaftungsprozesse, welchen Inszenierungsstrategien im Außen- und Innenraum (Form, Größe, Ausstattung, Materialien etc.) werden neue Kulturorte unterworfen? Welcher denkmalpflegerischen Praxis unterliegen sie? In welchem Verhältnis stehen Kultorte zu sozialen Ordnungen und politischen Ideologien/Utopien? Welche Transformationen und Transferprozesse durchlaufen Konzeptionen des Heiligen, so dass auch Orte unabhängig von tradierter und institutionalisierter Heiligkeit eine sakral anmutende Aura erhalten? Können Nation, Kunst, Kultur, Bildung, Sport, Kapitalismus etc. als neue Projektionsflächen von Vergemeinschaftung dienen und gelingt es, neue Bautypologien als identitätsstiftende Orte und neue Kulträume (Museen, Kulturhäuser, Universitäten und Schulen sowie Regierungsbauten, Nationaldenkmäler, Banken und Fußballstadien) zu etablieren? Welche Formenvielfalt von Kulträumen entsteht in der Moderne und Gegenwart, und welcher ästhetische Kult prägt das Raumschaffen?

Die mit dem SNF-Forschungsprojekt "Heilige Räume in der Moderne. Transformationen und architektonische Manifestationen" in Verbindung stehende Tagung wird organisiert von Dr. Maximiliane Buchner und Univ.-Prof. Dr. Anna Minta, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur.

Für die Länge der Vorträge, in deutscher oder englischer Sprache, sind 30 Minuten vorgesehen.

Vorschläge für Beiträge in einer Länge von max. 3000 Zeichen zusammen mit einem kurzen CV können bis zum 15. September 2017 eingereicht werden bei Maximiliane Buchner.

Call for Papers dt. engl.

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