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„Lehrend meinen Händen den Krieg“ – Untersuchungen zu 2 Sam 22 unter gewalthermeneutischen Perspektiven.

Magdalena Lass, Dissertation an der Fakultät für Theologie, 2016.

Gewalt ist ein grundmenschliches Thema, darum ist es auch in der Bibel in unterschiedlichen Weisen anzutreffen. Der Text 2 Sam 22 beinhaltet viele verschiedene Formen von Gewalt, sowohl göttlicher, als auch menschlicher und eignet sich deshalb gut, um der Frage nachzugehen, wie man mit Gewaltdarstellungen in der Bibel konstruktiv umgehen kann.

Es wird anhand dieses Psalms die textlich dargestellte Gewalt genau untersucht und beschrieben, mit Erklärungsmodellen aus den Humanwissenschaften (Soziologie und Psychologie) in Dialog gebracht, um dann zu einer Hermeneutik zu gelangen, die weder in Opfer- noch in Täterhermeneutik verfällt. Die Arbeit möchte die textlich dargestellte Gewalt in ihren Facetten wahrnehmen und durch die Sichtweisen aus den Humanwissenschaften eine mögliche Hermeneutik aufzeigen, die für Lesende heute eine Möglichkeit bietet, den Text (aber auch andere Gewalttexte) als „Ermutigung zur Lebensbewältigung“ zu verstehen. Dabei ist es mir wichtig, sich von einer „Nachahmungshermeneutik“ klar abzugrenzen. Die Dissertation gliedert sich in drei Arbeitsschritte: Überblick über Hermeneutiken bei biblischen Gewalttexten und eigene Positionierung (1), Sichtung von Erklärungsmodellen und Ergebnissen der Gewaltforschung aus Soziologie und Psychologie (2) und exegetisches Durcharbeiten des Textes 2 Sam 22 unter Einbeziehung der hermeneutischen und humanwissenschaftlichen Erkenntnisse (3).

1) Hermeneutik: Gewalttexte der Bibel werden gerne übersehen oder „schön gekürzt“. Durch eine Systematisierung wird die Vielfalt an Möglichkeiten mit dem Text umzugehen aufgezeigt. Dabei wird zwischen göttlicher und menschlicher Gewalt unterschieden, da sich daraus je eigene Fragestellungen entwickeln. Die verschiedenen hermeneutischen Ansätze werden in einem Baumdiagramm dargestellt, welches zudem sichtbar macht, wie unsere Bewertungen der Gewalt die Interpretation beeinflussen und zeigt, dass es viele Leseweisen gibt, die ertragreich sind. Dabei positioniere ich mich aber auch klar, welche Hermeneutiken ich für nicht akzeptabel halte und klar ablehne (Täter- bzw. Nachahmungshermeneutik).

2) Erkenntnisse aus den Humanwissenschaften: Erklärungsmodelle von Soziologie und Psychologie in Bezug auf Gewalt werden eingearbeitet, um die Dynamik der im Text dargestellten Gewalt besser fassen zu können. Dies geschieht auf zwei Ebenen: Textebene und Rezipierendenebene. Die humanwissenschaftlichen Erkenntnisse helfen einerseits die Dynamiken der im Text geschilderten Gewalt zu verstehen, und andererseits auch die Wirkung des Textes (mit Blick auf die dargestellte Gewalt) auf die Lesenden zu ergründen.

3) Textanalyse: Am Beispiel 2 Sam 22 wird anhand einer detaillierten Analyse und Interpretation ein produktiver, hermeneutisch reflektierten Umgang mit Gewalttexten vorgestellt. Dazu wird die exegetische Arbeit, insbesondere Analysen von Metaphern, semantischen Feldern, Körperbildern etc. mit Erkenntnissen aus Soziologie und Psychologie verknüpft. Der Fokus liegt auf der textlich dargestellten Gewalt, dabei wird der engen Verbindung zwischen göttlicher und menschlicher Gewalt in 2 Sam 22 besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Mit den Modellen der neueren Gewaltforschungen der Soziologie kann gezeigt werden, dass die Gewaltdarstellungen des Textes menschlichem Gewalterleben entspricht. Psychologische Ansätze zur Wirkung medial vermittelter Gewalt zeigen auf, wie die Texte Lesende unterstützen können, eigene Erfahrungen zu verarbeiten. Gewalttexte können Lesenden helfen, ihre Lebensrealität zu bewältigen. Diese Hermeneutik ist eine mögliche von einer Vielzahl an produktiven Lesarten bei Gewalttexten.

Die Arbeit zeigt auf, dass es viele Möglichkeiten gibt mit textlich dargestellter Gewalt umzugehen. Dabei ist zu beachten, dass nicht jede Hermeneutik zu jedem Text passt, aber auch dass diese Texte Teil der biblischen Botschaft sind und nicht übersehen werden sollten.

Dissertation aus dem Fach Altes Testament.
GutachterIn:

  • Univ.-Prof.in Dr.in Susanne Gillmayr-Bucher
  • Univ.-Prof.in Dr.in Ilse Müllner (Universität Kassel)

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