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Josef Raukamp und die "Oberösterreichische Glasmalerei". Ein Künstler zwischen Historismus und Moderne.

Wolfgang Sachsenhofer, Dissertation an der Fakultät für Philosophie und Kunstwissenschaft, 2016.

Im Mittelpunkt meiner o.a. Dissertation steht der aus dem Rheinland im Jahre 1900 nach Linz zugezogene Glasmaler Josef Raukamp (1881-1960), der nach Gesellenjahren bei der „OÖ Glasmalerei Penner, Schürer und Comp.“ diese Firma 1915 übernahm und den Betrieb bis 1953 leitete, ehe er ihn aus Altersgründen an das Stift Schlierbach verkaufte. Sein Einfluss, den er auf die Glasmalerei in Oberösterreich ausübte sowie die Tatsache, dass die Glasmalerei Raukamp sowie die von ihn übernommene Vorgängerfirma noch nicht wissenschaftlich bearbeitet wurden, haben mich dazu bewogen, diese Arbeit zu schreiben. 

Die Geburtsstunde der „Oberösterreichischen Glasmalerei“ schlug 1884 in Wien, als der Beamte im Innenministerium Rudolf Penner (1848-1932) sowie der Glaskünstler Emilian Schürer von Waldheim (1861-1905) die „Wiener Glasmalerei Penner & Schürer“ gründeten. 1890 übersiedelte der Betrieb nach Linz und konnte sich innerhalb kurzer Zeit auf dem von den mächtigen Konkurrenten aus Innsbruck und Wien beherrschten Markt etablieren. Nach dem Tode Schürers übernahm Raukamp mehr und mehr die künstlerische Leitung des Betriebes und vollzog gemeinsam mit seinem aus Berlin zugezogenen Bruder Wilhelm in seinen Werken erfolgreich den Übergang von der historistischen Glasmalerei, in der das Glas als Bildträger behandelt wurde, zur „klassischen“, schon im Mittelalter angewandten Technik. In dieser wurde nicht mehr der Pinsel als wichtigstes Werkzeug benutzt. Vielmehr war es der Diamant, mit dem die leuchtenden Gläser beschnitten und mosaikartig in die Bildfläche eingesetzt wurden, und das Blei, welches die Linienführung der Figuren übernahm. Mit dieser Technik hat Raukamp die nachfolgenden Künstlergenerationen nachhaltig beeinflusst. 

Hinsichtlich seines Stiles war Raukamp hingegen sicher kein Revolutionär. Er übernahm vielmehr die Stilentwicklungen der ersten Dezennien des 20. Jahrhunderts mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung und propagierte diese in unserem Bundesland. Dies brachte ihn, vor allem nach den Gemäldefenstern, die er 1926/27 für die Vöcklabrucker Schulschwestern geschaffen hatte, auch mit der Linzer Kirchenleitung in Konflikt und damit in eine wirtschaftlich prekäre Situation. Erst nach einigen klärenden Gesprächen mit dem Linzer Bischof Gföllner konnte dieses Problem ausgeräumt werden und Raukamp erhielt als äußeres Zeichen seiner „Rehabilitierung“ den Auftrag, die 12 Fenster in den Turmkapellen des Linzer Domes zu gestalten. 

Raukamp zog aus diesem Konflikt die Konsequenzen und fand in den folgenden Jahrzehnten zu einer deutlich gemilderten, zwischen gemäßigtem Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und „Heimatstil“ angesiedelten Bildsprache, mit der er weder im Ständestaat noch in der NS-Zeit aneckte. Auf Grund seiner Kompetenz vertrauten ihm nun auch andere Künstler, wie z.B. Karl Hauk, Robin Christian Andersen, Wilhelm Dachauer, Wilhelm Kaufmann und vor allem Alfred Stifter, mit dem ihm eine jahrzehntelange Künstlerfreundschaft verband, ihre Entwürfe an. Der gegenständlichen Kunst blieb Raukamp bis zu seinem Lebensende verbunden. 

In meiner Arbeit habe ich besonders repräsentative Werke der „OÖ Glasmalerei Penner, Schürer & Co.“ aus der Zeit des Historismus in Wort und Bild dokumentiert, ohne hier jedoch Wert auf Vollständigkeit zu legen. Vielmehr ging es mir hier darum, den allmählichen Übergang vom Historismus zur Moderne aufzuzeigen. Die erhaltenen Werke Raukamps wurden hingegen in einem vollständigen Werkverzeichnis verfasst und in einem ausführlichen, separaten Tafelband präsentiert. 

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